Bei einer Konsultation in Oslo vom 23. bis 25. April 2026 reflektierte die Gemeinschaft protestantischer Kirchen in Europa (GEKE) gemeinsam mit der Norwegischen Kirche über die anhaltende Relevanz des GEKE-Dokuments „Amt, Ordination, Episkopé“ aus dem Jahr 2012 vor dem Hintergrund sich wandelnder Amtsstrukturen in den Kirchen. Die Konsultation bestätigte den anhaltenden Wert des Dokuments, identifizierte Bereiche, die weiterer gemeinsamer Reflexion bedürfen, und unterstrich dessen Bedeutung für die Kirchenordnung, die theologische Ausbildung und die ökumenischen Beziehungen.
Konsultation in Oslo mit breiter ökumenischer und internationaler Beteiligung überdenkt den Dienst in der CPCE
Vom 23. bis 25. April 2026 veranstaltete die Gemeinschaft protestantischer Kirchen in Europa (GEKE) in Zusammenarbeit mit der Norwegischen Kirche in Oslo eine Konsultation zum Thema „Das Amt in der GEKE neu denken: Auf Diversifizierung reagieren durch Amt, Ordination, Episkopé“ (AOE, Leuenberger Dokumente 13).
Die Konsultation brachte 38 Teilnehmer aus 17 Ländern und aus einem breiten Spektrum kirchlicher, sprachlicher, akademischer und ökumenischer Kontexte zusammen, darunter Theologen, Kirchenleitende, Fachleute für die Ausbildung im geistlichen Amt, Verantwortliche für ökumenische Beziehungen und Vertreter kirchlicher Leitungsgremien. Unter ihnen waren der GEKE-Präsident Bischof Marko Tiitus von der Estnischen Evangelisch-Lutherischen Kirche, die GEKE-Generalsekretärin Pfr. Dr. Susanne Schenk, Bischof Dr. Matti Repo von der Evangelisch-Lutherischen Kirche Finnlands, Bischöfin Prof. Dr. Cornelia Richter von der Evangelischen Kirche der Augsburger Konfession in Österreich, Bischof Mag. Ján Hroboň von der Evangelischen Kirche der Augsburger Konfession in der Slowakei sowie die GEKE-Ratsmitglieder Pfarrerin Eva Guldanová von der Evangelischen Kirche der Augsburger Konfession in der Slowakei und Dr. Ulrich Rüsen Weinhold von der Vereinigten Protestantischen Kirche Frankreichs. Die Konsultation profitierte zudem von der Teilnahme anglikanischer Gäste, darunter Vertreter der Church of England und der Church of Ireland, was den ökumenischen Horizont der Diskussion bereicherte.
Neue Herausforderungen für Amt und Ordination
Die Versammlung reagierte auf Entwicklungen, die in vielen GEKE-Kirchen seit der Verabschiedung des Lehrgesprächs-Textes „Amt, Ordination, Episkopé“ durch die GEKE-Generalversammlung in Florenz im Jahr 2012 zunehmend an Bedeutung gewonnen haben. Das Dokument selbst umfasst rund 40 Seiten, ergänzt durch weitere 40 Seiten mit Begleitmaterial. Bei der Konsultation wurde besonderes Augenmerk auf die zentrale theologische Stellungnahme (S. 41–63) und die zehn Empfehlungen (S. 64–65) gelegt. Vor dem Hintergrund neuer Amtsmodelle, sich wandelnder Führungsmodelle, zunehmend vielfältiger Biografien ordinierter Pfarrer-/innen sowie aktueller kirchlicher und ethischer Debatten stellte die Konsultation die Frage, wie Amt, Ordination und Episkopé heute im Rahmen der Einheit in versöhnter Vielfalt verstanden und weiterentwickelt werden sollten.
Theologische Beiträge und vergleichende Perspektiven
Das Programm verband theologische Beiträge, vergleichende Fallstudien, Plenardiskussionen und strukturierte Gruppenarbeit. Pfr. Prof. Dr. Ulrich Körtner aus Österreich eröffnete die Konsultation mit einem Grundsatzvortrag zur Hermeneutik der Amtsmodelle in Amt, Ordination und Episkopé. Pfr. Prof. Dr. Harald Hegstad von der Norwegischen Kirche stellte anschließend die Überlegungen der Norwegischen Kirche zur Ordination und zum Wort- und Sakramentendienst im Kontext einer Vielfalt von Ämtern vor. Weitere Beiträge der Vereinigten Protestantischen Kirche in Belgien, der Reformierten Kirche in Ungarn, der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Finnland und der Deutschen Zentralkonferenz der Vereinigten Methodistischen Kirche beleuchteten Entwicklungen in anderen GEKE-Kirchen. Bischof Prof. Dr. Cornelia Richter von der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich trug eine österreichische Perspektive auf den Dienst und die Kirchenleitung bei. Pfarrer Prof. Dr. Matthias Wüthrich von der Evangelischen Kirche in der Schweiz reflektierte darüber, ob und wie das Modell der Einheit in versöhnter Vielfalt angesichts dieser Diversifizierung weiterentwickelt werden sollte. Pfarrerin Alexandra Breukink von der Union der evangelischen Kirchen im Elsass und in Lothringen eröffnete die gezielte Diskussion über die zehn Empfehlungen des Studiendokuments, gefolgt von spezifischeren Beiträgen von Assoc. Prof. Hilde Marie Øgreid von der Vereinigten Methodistischen Kirche in Norwegen zur Ordination von Frauen und deren Entwicklung seit MOE sowie von Rev. Canon Dr. Maurice Elliott von der Church of Ireland zum Thema „Brauchen neue Biografien neue Lehrpläne?“
Arbeitsgruppen erarbeiten gemeinsame Schlussfolgerungen
Die Gruppenarbeit spielte eine zentrale Rolle bei der Konsultation. In den Arbeitsgruppen wurden die theologischen Impulse und vergleichenden Beobachtungen aus den Plenarsitzungen zu einem gezielten gemeinsamen Diskurs zusammengeführt. Die Teilnehmenden befassten sich mit zwei zentralen Fragen: Welche Botschaft sollte die Konsultation hinsichtlich der Diversifizierung des Amtes vermitteln, und wo müssten die zehn Empfehlungen von AOE angesichts der Diskussionen möglicherweise überarbeitet oder ergänzt werden? Die Ergebnisse wurden anschließend wieder in das Plenum eingebracht und trugen dazu bei, die gemeinsamen Schlussfolgerungen der Konsultation zu formulieren.
MOE als fortbestehende Ressource bestätigt
Ein zentrales Ergebnis der Konsultation war die gemeinsame Überzeugung, dass das AOE-Dokument ein gültiges und nützliches Instrument für die Reflexion über Amt, Ordination und Episkopé innerhalb der GEKE bleibt. Gleichzeitig identifizierten die Teilnehmenden Bereiche, in denen veränderte Umstände eine weitere Konkretisierung und Weiterentwicklung erfordern. Dazu gehören:
- das Diakonat,
- die Frauenordination und Frauen in Leitungspositionen,
- Inklusion,
- die Anerkennung von Ämtern und Ordinationen,
- Machtmissbrauch,
- die Rolle von Katecheten und Kirchenmusikern,
- den Dienst in politischen Kontexten,
- theologische Ausbildung und Weiterbildung,
- sowie den Beitrag nicht ordinierter Personen zum kirchlichen Dienst.
Kirchliche Gemeinschaft und Ökumene gehören zusammen
Die Konsultation unterstrich zudem, dass die Vertiefung der Gemeinschaft unter den GEKE-Kirchen und der Beitrag zur Einheit der gesamten Kirche keine konkurrierenden Ziele sind. Vielmehr machten die Diskussionen deutlich, dass die gelebte Praxis der kirchlichen Gemeinschaft innerhalb der GEKE, einschließlich der gegenseitigen Anerkennung von Ämtern, nicht nur für das interne Leben der Gemeinschaft selbst von Bedeutung ist, sondern auch für ihr ökumenisches Zeugnis und ihre Glaubwürdigkeit im Verhältnis zu anderen Kirchen.
Nächste Schritte auf dem Weg ins Jahr 2027
Als nächsten Schritt wird eine kleine Redaktionsgruppe einen kurzen Brief für die GEKE-Kirchenleitersynode 2027 in Wittenberg vorbereiten. Ihre Aufgabe besteht nicht darin, unabhängig von der Konsultation einen neuen Text zu verfassen, sondern auf der Grundlage der Diskussionen und Ergebnisse in Oslo eine prägnante Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse zu formulieren: über die Rezeption des AOE-Dokuments zu berichten, dessen anhaltende Relevanz zu bekräftigen und aufzuzeigen, wo angesichts neuer Entwicklungen und Herausforderungen weitere Arbeit erforderlich ist.
Weitere mögliche Folgemaßnahmen, die in Oslo diskutiert wurden, waren:
- digitale Formate für den Austausch,
- eine GEKE-Karte der Amtsausübung,
- regionale Diskussionen
- sowie eine gezieltere Arbeit zum Thema Ordination und deren theologischen und liturgischen Dimensionen.
AOE als beständiger gemeinsamer Bezugspunkt
Ein wichtiges Ergebnis der Konsultation war die gemeinsame Erkenntnis, dass das von der GEKE-Generalversammlung 2012 in Florenz verabschiedete Dokument eine fortgesetzte Rezeption und sorgfältige Betrachtung verdient. Die Konsultation kam zu dem Schluss, dass „Amtg, Ordination, Episkopé“ sowohl seine anhaltende Flexibilität als auch seine fortdauernde Relevanz unter Beweis gestellt hat. Gleichzeitig machten die Diskussionen deutlich, dass neue Herausforderungen in Bezug auf Vielfalt, Anerkennung, Episkopé, die Austauschbarkeit von Ämtern, die Ordination und Leitungsaufgaben von Frauen sowie die Grenzen der Vielfalt weitere gemeinsame Reflexion erfordern. Nach Ansicht der Konsultation bleibt „Amt, Ordination, Episkopé“ ein wichtiger gemeinsamer Bezugspunkt für die Kirchen bei der Reflexion über und Gestaltung der Kirchenordnung, im Kontext der theologischen Ausbildung und der Vorbereitung auf den Dienst sowie in ökumenischen Beziehungen und Dialogen. Es ist ein wertvolles Instrument zur Vertiefung der GEKE-Kirchengemeinschaft, zur Stärkung ihres Beitrags zur breiteren ökumenischen Bewegung und zur Unterstützung des gemeinsamen Zeugnisses und Dienstes der Kirchen in Europa.
Vielen Dank an die Norwegische Kirche!
Die Konsultation wurde im Auftrag der GEKE von Pfr. Dr. Stefan Cosoroaba, GEKE-Beauftragter für Kirchenentwicklung, und Pfr. Prof. Dr. Thomas-Andreas Põder, GEKE-Sekretär für Theologie und ökumenischen Dialog, organisiert. Die GEKE ist der Norwegischen Kirche zutiefst dankbar für ihre großzügige Zusammenarbeit und Gastfreundschaft bei der Ausrichtung der Konsultation in Oslo. Besonderer Dank gilt Beate Fagerli, leitende Beraterin für Ökumene in der Norwegischen Kirche, für ihre äußerst engagierte Unterstützung vor Ort und ihre hervorragende Koordination, die wesentlich zum reibungslosen und einladenden Ablauf der Tagung beigetragen haben.

