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GEKE startet europäischen Prozess zum Schutz vor sexualisierter Gewalt in Kirchen

Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), zu der 40 Millionen Protestantinnen und Protestanten gehören, will zum Schutz vor Missbrauch die Standards des Europarates umsetzen Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) verstärkt ihr Engagement gegen sexualisierte Gewalt in kirchlichen Kontexten. Der Rat der GEKE unterstützt die Resolution 2533 der Parlamentarischen Versammlung des Europarates und […]

Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), zu der 40 Millionen Protestantinnen und Protestanten gehören, will zum Schutz vor Missbrauch die Standards des Europarates umsetzen

Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) verstärkt ihr Engagement gegen sexualisierte Gewalt in kirchlichen Kontexten. Der Rat der GEKE unterstützt die Resolution 2533 der Parlamentarischen Versammlung des Europarates und ruft die Mitgliedkirchen dazu auf, Schutzmassnahmen mit hoher Priorität einzuführen und weiterzuentwickeln. An einer internationalen Konferenz in Warschau beginnt nun ein mehrjähriger Austausch- und Umsetzungsprozess zum Thema Prävention und Intervention bei sexuellem Missbrauch. Die Justice Initiative, eine europäische Opferinitiative, welche am Europarat für diese Verpflichtung zur Aufarbeitung erfolgreich lobbyiert hat, bezeichnet Schritt der GEKE als historisch.

Warschau, 19. Juni 2026 – Die Resolution 2533 der Parlamentarischen Versammlung des Europarates fordert eine umfassendere Aufarbeitung von Kindesmissbrauch und einen verbesserten Schutz vulnerabler Personen in Europa. Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa hat als internationale NGO einen partizipatorischen Status beim Europarat. Sie hat sich damit verpflichtet, die Initiativen des Europarates in den eigenen Verantwortungsbereichen bekannt zu machen und zu ihrer Umsetzung beizutragen. Dies bezieht sich insbesondere auch auf den Schutz von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen vor Missbrauch. Die GEKE nimmt dieses Anliegen nun auf.

«Kirche muss ein Ort sein, an dem Menschen sicher sind.»“

In seiner neuesten Erklärung hält der Rat der GEKE fest, dass Kinder, Jugendliche und schutzbedürftige Erwachsene auch in evangelischen Kirchen großes Unrecht erfahren haben. Diese Feststellung soll Folgen haben. So hat die GEKE nun an ihrer Versammlung im Juni den Beschluss gefasst, ihr Wirken in Europa an die Resolution 2533 des Europarates zu orientieren. Die GEKE will konkret dazu beitragen, dass evangelische Kirchen ihre Verantwortung wahrnehmen, voneinander lernen und bewährte Schutzkonzepte weiterentwickeln. Rita Famos, Präsidentin der GEKE und der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz, sagt: «Europa muss seinen Werten gerecht werden, wenn es um den Schutz verletzlicher Menschen geht. Als evangelische Kirchen in Europa wollen wir dazu unseren Beitrag leisten.» Rita Famos ist der Schutz vor sexualisierter Gewalt in kirchlichen Strukturen ein zentrales Anliegen:

«Kirche muss ein Ort sein, an dem Menschen sicher sind. Der Schutz vor sexualisierter Gewalt ist deshalb keine Zusatzaufgabe, sondern gehört ins Herz unseres kirchlichen Auftrags. Wo Kirche von Gottes Liebe spricht, muss sie alles dafür tun, dass Menschen keinen Missbrauch erleiden und Betroffene gehört und unterstützt werden.»

Die GEKE führt mit ihrem Bekenntnis zur Resolution des Europarates ihre Arbeit in diesem Bereich weiter. Die Vollversammlung der GEKE hatte bereits 2024 in Hermannstadt beschlossen, einen Arbeitsprozess mit europäischem Erfahrungsaustausch zum Thema Schutzmaßnahmen aufzusetzen. Der Rat der GEKE, der das wesentliche Entscheidungsgremium der GEKE zwischen den Vollversammlungen ist, hatte dann im Mai 2026 erstmals eine Erklärung zu diesem Thema verabschiedet. Damit hob die GEKE das Thema auf eine europäische Ebene und ruft alle Mitgliedskirchen auf, Schutzmassnahmen einzuführen, zu verbessern und voneinander zu lernen.

Europäische Opfervereinigung Justice Initiative: Dieses Bekenntnis ist historisch

Für Guido Fluri, Präsident der europäischen Opferorganisation Justice Initiative, ist dieser Beschluss ein Meilenstein im Kampf der Überlebenden von Missbrauch: „Die GEKE hat heute den Grundstein für ein kollektives Umdenken gelegt. Sie wird Vorbild für Kirchen und andere gesellschaftliche Gruppen weltweit, die mit der Aufarbeitung der eigenen Missbrauchsfälle, aber auch mit Prävention und Schutz noch ganz am Anfang stehen.“ Die Justice Initiative mit Ablegern in ganz Europa, hat in der Schweiz mit einer Volksinitiative wesentlich zur Wiedergutmachung bei 12 000 Missbrauchsopfern beigetragen und 2024 am Europarat erfolgreich für die Resolution 2533 lobbyiert. Diese wurde ohne Gegenstimme vom Parlament angenommen und verpflichtet die Mitgliedsstaaten, die Aufarbeitung nach Schweizer Vorbild voranzutreiben. Dies betrifft auch Missbräuche im kirchlichen Kontext.

Schutz vor Missbrauch rasch verbessern – GEKE geht bereits in die Umsetzung

Zur Umsetzung der Grundsatzerklärung des Rates der GEKE kommen von heute bis am 21. Juni 2026 in Warschau Vertreter*innen aus mehr als 40 evangelischen Kirchen in Europa zusammen. Die Konferenz wird in Kooperation mit der Guido Fluri Stiftung und deren europäischen „Justice Initiative“ durchgeführt.

Die Zielsetzung dieser Konferenz sei vorbildhaft, sagt Dorothee Wüst, Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz (Deutschland): „Als Vertreter*innen evangelischer Kirchen in Europa verpflichten wir uns für unsere kirchlichen Kontexte, Schutzrichtlinien und -maßnahmen zu entwickeln, umzusetzen, zu evaluieren und aufrechtzuerhalten. Hierzu vernetzen wir uns auf europäischer Ebene hier an der Konferenz in Warschau erstmals international.“ Der Schutz vor sexualisierter Gewalt gehöre wesentlich zum Auftrag der Kirche und sei deshalb kein Randthema, sondern müsse einen zentralen Stellenwert haben.

In der Erklärung des Rates heißt es: „Gemäß christlicher Ethik gehört der Schutz vor sexualisierter Gewalt wesentlich zum Auftrag der Kirche, zu ihrer Mission in der Welt.“

An der Konferenz in Warschau nehmen rund 100 Personen aus allen europäischen Ländern teil. Der GEKE gehören derzeit 96 lutherische, reformierte, unierte und methodistische Kirchen aus mehr als 30 Ländern Europas und teilweise auch Südamerikas an.

https://www.leuenberg.eu/wp-content/uploads/2025/12/Council-Statement-final.pdf