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Ökumenische Gastvorlesung zur GEKE an der Universität Fribourg

Kirchengemeinschaft als gemeinsames Kirchesein im Kontext des Dialogs mit der römisch-katholischen Kirche Auf Einladung von Prof. Dr. Barbara Hallensleben, die seit 2022 der römisch-katholischen Delegation im offiziellen Dialog zwischen dem Dikasterium zur Förderung der Einheit der Christen und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) angehört, hielt Prof. Dr. Thomas-Andreas Põder, GEKE-Sekretär für Theologie und […]

Kirchengemeinschaft als gemeinsames Kirchesein im Kontext des Dialogs mit der römisch-katholischen Kirche

Auf Einladung von Prof. Dr. Barbara Hallensleben, die seit 2022 der römisch-katholischen Delegation im offiziellen Dialog zwischen dem Dikasterium zur Förderung der Einheit der Christen und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) angehört, hielt Prof. Dr. Thomas-Andreas Põder, GEKE-Sekretär für Theologie und ökumenischen Dialog, am 13. April 2026 eine Gastvorlesung an der Theologischen Fakultät der Universität Fribourg. Die Vorlesung fand im Rahmen des Kurses „Einführung in die Theologie der Ökumene (Westkirchen)“ statt und trug den Titel „Kirchengemeinschaft als gemeinsames Kirchesein: die ökumenische Perspektive und Verpflichtung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa“.

Im Zentrum stand die These, dass Kirchengemeinschaft nicht lediglich eine intensivere Form kirchlicher Zusammenarbeit meint, sondern gemeinsames Kirchesein. Ausgehend von der Leuenberger Konkordie zeigte Põder, dass Kirchengemeinschaft auf der gegenseitigen Anerkennung der Kirchen als Kirchen im Licht des Evangeliums beruht. Sie ist daher nicht nur Ergebnis theologischer Verständigung, sondern eine geistlich-ekklesiale Wirklichkeit und zugleich eine ökumenische Verpflichtung.

Besonders hob er hervor, dass die GEKE als Kirchengemeinschaft in Wort und Sakrament, Zeugnis und Dienst, Lehren und Lernen, wachsender Gestaltwerdung sowie in ihrer gemeinsamen ökumenischen Verantwortung konkret wird. Als bleibende Herausforderungen benannte Põder insbesondere Verbindlichkeit, Rezeption und Katholizität: Kirchengemeinschaft ist im Leben der Mitgliedskirchen wirksam aufzunehmen und zu gestalten sowie im Horizont der umfassenderen Einheit der Kirche Jesu Christi zu verstehen.

Damit gewinnt der Vortrag auch im Horizont des Dialogs mit der römisch-katholischen Kirche besondere Bedeutung: Die Kirchengemeinschaft der GEKE kommt hier nicht als bloß protestantisches Kooperationsmodell in den Blick, sondern als ekklesialer und ökumenischer Beitrag zur Frage, wie die Einheit der Kirche in realer kirchlicher Verschiedenheit wahrgenommen, bezeugt und gelebt werden kann. Diese Einheit wird nicht jenseits realer kirchlicher Verschiedenheit gesucht, sondern in verbindlicher Gemeinschaft, gegenseitiger Anerkennung und gemeinsamem Kirchesein erfahren und gestaltet.

Die Gastvorlesung war in den weiteren Kontext der bisherigen Kontakte und des offiziellen Lehrdialogs zwischen der GEKE und dem Dikasterium zur Förderung der Einheit der Christen eingebettet. In den Jahren 2013 bis 2018 hatte eine Konsultationsreihe stattgefunden, deren Ergebnisse im „Report on Church and Church Communion“ zusammengefasst und von der GEKE-Vollversammlung 2018 in Basel begrüßt wurden. In Basel wurde zudem auf Leitungsebene eine gemeinsame Absichtserklärung zur Aufnahme eines formalen Dialogs zwischen dem damaligen Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen und der GEKE unterzeichnet.

Durch die Pandemie und weitere Faktoren verzögerte sich der Beginn des offiziellen Lehrdialogs; die gemeinsame Dialogkommission nahm im Frühjahr 2022 ihre Arbeit auf. Die 9. Vollversammlung der GEKE in Sibiu 2024 unterstützte die Fortsetzung dieser Arbeit. Im Anschluss an ein Treffen der Mandatsgeber beider Seiten im Dezember 2025 in Rom ist gegenwärtig eine befristete Pause des Dialogs in seiner gegenwärtigen Form in Aussicht genommen. Darüber wird der Rat der GEKE bei seiner nächsten Sitzung Ende Mai 2026 in Doorn, Niederlande, entscheiden.