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Weitergabe des Glaubens an die kommende Generation

Auf Einladung der Estnischen Evangelisch-Lutherischen Kirche trafen sich vom 1. Bis zum 4. Oktober 2026 in Tallinn Synodale europäischer Kirchen, um sich zu diesem aktuellen Thema auszutauschen. Auch wenn sich das Thema in allen Synoden in unterschiedlichen Formen wiederfindet, so brachte dieses Treffen etwas Außergewöhnliches.

Foto: Sabine Foth übergibt im Tallinner Dom das Württemberger Lichtkreuz an Priit Kama © GEKE

 

Auf Einladung der Estnischen Evangelisch-Lutherischen Kirche trafen sich vom 1. Bis zum 4. Oktober 2026 in Tallinn Synodale europäischer Kirchen, um sich zu diesem aktuellen Thema auszutauschen. Auch wenn sich das Thema in allen Synoden in unterschiedlichen Formen wiederfindet, so brachte dieses Treffen etwas Außergewöhnliches.

Man war sich über Grenzen hinweg einig: Es würde etwas fehlen, wenn es die Kirche im Ort nicht mehr gäbe. Analytisch geschult, wie die meisten Synodalen eben sind, wurde in den Arbeitsgruppen von „individualisierter Gesellschaft“, „Räumen der Kommunikation“ oder „Sprachfähigkeit des Glaubens“ gesprochen. Ob die Gespräche nicht nur eine Wiederholung des allzu Bekannten seien, fragte sich eine Synodale. Und natürlich hatte sie recht, es wurde nichts aus dem Hut hervorgezaubert. In traditionellen Impulsvorträgen wurden die einzelnen Orte beleuchtet, in denen die Weitergabe des Glaubens geschieht. Es geschieht – oder geschieht auch nicht – in der Familie, in Institutionen wie Kirche, Schule oder Diakonie. Auch innerhalb des öffentlichen Raums werden Aspekte christlichen Glaubens und Lebensführung weitergegeben. Dazu nahmen Janina Zemanová (Tschechische Republik), Olga Schihalejev (Estland) und Marco Batenburg (Niederlande) Stellung.  Durch den Besuch der Tallinner „Kaarli“-Schule und des „Betheli“-Sozialprojektes konnten die rund 70 Synodalen zusätzlich zwei Orte besuchen, die für die Gastgeber für die Weitergabe des Glaubens wichtig sind.

Aber dann war in Tallinn trotzdem etwas Besonders, etwas, was die beiden designierten Konferenz-Zuhörerinnen, Jennifer Smith und Friederike Krippner am Ende widerspiegelten. Sie sei, so Jennifer Smith, mit der Einstellung nach Tallinn gekommen, dass ein weiteres Mal über Relevanzverlust der Kirchen und die aktuellen Gefahren für Menschheit und Glauben gesprochen werden würde. Aber siehe da: Sie hatte ein Grundgefühl von Optimismus, dazu positive Botschaften und sogar Aufbruchstimmung wahrnehmen können. Man musste nur dem Debreziner Pfarrer Endre Iszlai zuhören, wie er davon erzählte, dass Sonntag für Sonntag immer mehr Menschen in seine Kirche kämen; oder dem finnischen Professor für Anatomie Seppo Parkilla, dass bei Sommercamps der Laestadian-Bewegung  80.000 Personen zusammenkämen.  Im Grenzland Schlesien hat sich die dortige Kirche aufgemacht, um neue Gemeinden zu gründen. Das, konnte der Delegierte Mihal Klus berichten, sei kein Plan oder eine Strategie, sondern es geschehe einfach. Auch die Sorge, dass ganz Europa in einem nicht aufzuhaltenden Säkularisierungssog gefangen sei, hat Gegenwind erhalten, da der siebenbürgische Pfarrer, Andreas Hartig, bezeugen konnte, dass Rumänien ein durch und durch religiöses Land ist. Dort müsse man, so der Theologe, nicht gegen den Strom schwimmen, um Christ zu sein.

Das Außergewöhnliche dieser Tage waren somit die persönlichen Begegnungen, das positiv stimmte.  Die Begegnungen halfen, über den eigenen kirchlichen, täglichen Horizont hinauszusehen und zu verstehen: Ja, Kirche ist in Europa kein Auslaufmodell, wenn man denn offen ist für die Lebendigkeit des Evangeliums.

Eindrücklich wurde das Weitergeben des Glaubens in den Gottesdiensten auch als Weitergeben der Stafette der Synodalbegegnungen sichtbar. Die bislang vier ausrichtenden Kirchen überreichten dem stellvertretenden estnischen Synodenpräsidenten, dem Richter Priit Kama, je ein Symbol ihrer Kirche: Aus Württemberg kam ein Lichtkreuz, aus Bern eine Miniatur des Münsters, aus Budapest eine Kopie des Testaments Martin Luthers und aus Baden ein Kästchen mit Schwarzwaldfiguren und der Unionsmedaille. Die estnische Kirche legte noch einen gerahmten Holzschnitt dazu. Damit soll aber nicht nur die Organisationsaufgabe, sondern auch die Aufbruchstimmung weitergegeben werden. Nun warten diese Symbole in der Geschäftsstelle der GEKE geduldig, um in einigen Jahren dann wiederum eingepackt, ausgepackt und weitergegeben zu werden.