Vom 23. bis 25. April 2026 führte die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) gemeinsam mit der Kirche von Norwegen in Oslo eine internationale Konsultation unter dem Titel „Rethinking Ministry in the CPCE: Responding to Diversification through Ministry, Ordination, Episkopé“ durch. Im Zentrum stand die anhaltende Relevanz des GEKE-Dokuments Amt, Ordination, Episkopé (AOE), das die GEKE angesichts sich verändernder kirchlicher Realitäten 2012 veröffentlichte.
Breite internationale und ökumenische Beteiligung
Die Konsultation brachte 38 Teilnehmende aus 17 Ländern zusammen und spiegelte ein breites kirchliches, wissenschaftliches und ökumenisches Spektrum wider. Theologinnen und Theologen, Kirchenleitende, Expertinnen und Experten für die Pfarrer/-innenausbildung sowie Verantwortliche für kirchliche Leitung und Ökumene nahmen daran teil. Von evangelischer Seite waren unter anderem Marko Tiitus, Susanne Schenk, Matti Repo, Cornelia Richter und Ján Hroboň dabei. Auch Gäste aus der anglikanischen Tradition, darunter Vertreter der Church of England und der Church of Ireland, beteiligten sich an den Gesprächen.
Neue Herausforderungen für Amt und Ordination
Die Konsultation reagierte auf Entwicklungen, die seit der Verabschiedung des GEKE-Dokuments 2012 in der GEKE zunehmend an Bedeutung gewonnen haben. Dazu zählen:
- neue Formen kirchlicher Dienste
- veränderte Leitungsmodelle
- keine geradlinigen Biografien von Pfarrer-innen
- aktuelle kirchliche und ethische Debatten
Besonderes Augenmerk galt der theologischen Grundsatzaussage des Dokuments sowie seinen zehn Empfehlungen. Diskutiert wurde, wie Amt, Ordination und Episkopé – verstanden als geistliche Leitung und Aufsicht – heute im Horizont einer „Einheit in versöhnter Verschiedenheit“ weiterentwickelt werden können.
Theologische Beiträge und vergleichende Perspektiven
Impulsvorträge, Fallstudien, Plenardiskussionen und Arbeitsgruppen sorgten für einen breiten Blick auf das Thema. Den Auftakt machte Ulrich Körtner mit einem Beitrag zur Hermeneutik der Amtsmodelle im Dokument über Amt, Ordination, Episkopé. Harald Hegstad stellte Perspektiven der Kirche von Norwegen zu Ordination und Wort-Sakrament-Dienst vor.
Weitere Beiträge aus Belgien, Ungarn, Finnland, Österreich, der Schweiz sowie der methodistischen Tradition thematisierten u. a.:
- Diversifizierung kirchlicher Dienste
- Frauenordination und Leitungsverantwortung
- Ausbildung und neue Berufsbiografien im kirchlichen Dienst
- Zukunft des Modells „Einheit in versöhnter Verschiedenheit“
Arbeitsgruppen als Ort gemeinsamer Urteilsbildung
Die Arbeitsgruppen spielten eine zentrale Rolle für die gemeinsame Auswertung der Konsultation. Sie vertieften die theologischen Impulse und bündelten zentrale Einsichten.
Im Mittelpunkt standen zwei Leitfragen:
- Welche Botschaft soll die Konsultation zur Diversifizierung kirchlicher Dienste formulieren?
- Wo müssen die zehn Empfehlungen des Dokuments „Amt, Ordination, Episkope“ überarbeitet oder ergänzt werden?
Die Ergebnisse wurden in die Plenardiskussion zurückgespielt und prägten die gemeinsamen Schlussfolgerungen.
Das Dokument dient weiterhin als weiterhin gültiger Referenzrahmen
Ein zentrales Ergebnis der Konsultation ist die gemeinsame Überzeugung, dass das Dokument zu Amt, Ordination, Episkopé weiterhin ein tragfähiger und hilfreicher Bezugsrahmen für die GEKE bleibt. Zugleich wurde deutlich, dass neue Entwicklungen weitere Klärungen und Vertiefungen erfordern.
Genannt wurden insbesondere:
- das Diakonat
- Frauenordination und Leitung
- Inklusion
- Anerkennung von Diensten und Ordinationen
- Machtmissbrauch
- Rolle von Katechetinnen, Katecheten und Kirchenmusik
- kirchlicher Dienst im politischen Kontext
- Aus- und Fortbildung
- Beitrag nicht ordinierter Mitarbeitender
Kirchliche Gemeinschaft und Ökumene gehören zusammen
Die Konsultation betonte, dass die Vertiefung der Gemeinschaft innerhalb der GEKE und die Einheit der weltweiten Kirche keine konkurrierenden Ziele sind. Vielmehr wurde deutlich, dass die gegenseitige Anerkennung von Diensten auch eine wichtige ökumenische Wirkung entfaltet und die Glaubwürdigkeit protestantischer Kirchen in Europa stärkt.
Nächste Schritte bis 2027
Eine kleine Redaktionsgruppe wird einen kurzen Bericht für die GEKE-Kirchenleitungskonsultation 2027 in Wittenberg vorbereiten. Ziel ist keine Neufassung des AOE-Dokuments, sondern eine konzentrierte Zusammenfassung der Ergebnisse aus Oslo.
Weitere diskutierte Anschlussformate sind:
- digitale Austauschformate
- eine GEKE-Karte kirchlicher Dienstformen
- regionale Konsultationen
- vertiefte Arbeit zu Ordination und Liturgie
Besonderes Augenmerk gilt der Frage, wie Ordination in einer Kirchengemeinschaft liturgisch sichtbarer werden kann.
Amt, Ordination, Episkopé als bleibender gemeinsamer Bezugspunkt
Die Konsultation bestätigte, dass das 2012 verabschiedete Dokument weiterhin sorgfältig rezipiert und weitergeführt werden soll. Amt, Ordination, Episkopé hat sich als flexibel und zugleich dauerhaft relevant erwiesen.
Gleichzeitig wurde betont, dass Fragen von Diversität, Anerkennung, Episkopé, Austauschbarkeit von Diensten, Frauenordination sowie die Grenzen kirchlicher Vielfalt weiterer gemeinsamer theologischer Arbeit bedürfen.
MOE bleibt damit ein wichtiger gemeinsamer Referenzpunkt:
- für kirchliche Ordnung
- für theologische Ausbildung und Amtsvorbereitung
- für ökumenische Beziehungen und Dialog
Das Dokument trägt somit weiterhin wesentlich zur Vertiefung der Kirchengemeinschaft in der GEKE, zur Stärkung ihres ökumenischen Zeugnisses und zur gemeinsamen Mission in Europa bei.

