„Eurowaisen“

Grundsätzliches

Im Osten Europas (teilweise auch in Südeuropa) wachsen zahlreiche Kinder elternlos auf. Die internationale Presse hat ihnen das Etikett “Euro-Waisen” verpasst. In EU-Mitgliedsstaaten gehen NGOs von 500.000 bis zu einer Million betroffener Kinder aus, die zeitweise ohne Mutter oder Vater aufwachen, etwa in Rumänien, Bulgarien und Polen. In der Ukraine spricht die Caritas von bis zu neun Millionen “Eurowaisen”.
“Eurowaisen” lernen, dass elterliche Liebe in regelmäßigen Abständen auf ein Konto überwiesen oder mit der Post verschickt wird: in Paketen voller Markenkleidung und Spielzeugen. Was ihnen fehlt, ist die Nähe ihrer Eltern. Skype-Bilder sind ein schwacher Ersatz für Umarmungen. Man kann durchaus von Traumatisierungen sprechen, denn es fehlt den Kindern Zuneigung, die prägend ist für das weitere Leben. Es besteht zudem die Gefahr, dass solche „verlassenen“ Kinder ausgenutzt werden (sexueller Missbrauch etc.), dass es ihnen an medizinischer Versorgung fehlt oder sie unter Depressionen leiden. Auch die Begleitung in der Schulzeit fehlt oft.

Hilfsprojekte der GEKE

Aus Mitteln der italienischen Kultursteuer (Otto-per-Mille) der Evangelischen Waldenserkirche unterstützt die GEKE exemplarisch kirchliche Projekte in acht europäischen Ländern, die sich der Thematik „Eurowaisen“ annehmen. Die Projektabwicklung geschieht in Kooperation mit dem Gustav-Adolf-Werk.

Einsichten aus der Vernetzung der Projekte

Zwei Online-Sitzungen der Projektmanager im November 2021 und Mai 2022 haben gezeigt, dass es bei diesem komplexen Thema viele unterschiedliche Ansätze gibt. Dabei ergab sich ein differenzierteres Bild der komplexen Thematik. Es war einhellige Überzeugung, dass die Projekte nicht nur die Kinder und Jugendlichen, sondern die gesamten Familiensysteme in den Blick nehmen müssen. Darüber hinaus stellen „Eurowaisen“ nicht nur eine Herausforderung für die Herkunftsländer der Eltern bzw. Lebensorte der Kinder dar, sondern auch für die Zielländer der Eltern. Hier bedarf es eines Einsatzes für menschenwürdige Arbeits- und Wohnbedingungen und einer stärkeren Vernetzung von Hilfsangeboten über die Grenzen hinweg. Der Wegzug der Eltern hinterlässt nicht nur bei den Kindern eine Lücke, sondern auch auf dem heimischen Arbeitsmarkt. Dadurch kommen aus ärmeren Ländern wiederum Arbeitskräfte, die ihre Familien zurücklassen. Wie kann dieser verhängnisvolle Kreislauf durchbrochen werden?
In der Zwischenzeit hat der russische Angriff auf die Ukraine viel in Osteuropa verändert. Dieses Mal wurden viele ukrainische Familien dadurch auseinandergerissen, dass nun Mütter und Kinder das Land verließen. Diakonische Projekte reagierten und nahmen diese Zielgruppe in ihre Arbeit auf. Vom 17. bis 19. April 2023 fand in Kattowitz ein Netzwerktreffen von Projektleitern statt.

How much does it cost to have a better life?
Konferenz in Kattowice zum Phänomen der Euro-Waisen

Fähigkeiten

Gepostet am

15 April 2025

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