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Kirche gestalten in Zeiten des Wandels – aber wie?

Kirchen oder noch allgemeiner Religionsgemeinschaften gelten oft als Orte von Tradition, in denen Glauben und Glaubenspraktiken über Jahrtausende weitergegeben werden. Evangelische Kirchen nehmen für sich dabei jedoch eine differenziertere Rolle ein, denn sie berufen sich ja auf die Reformation. Ihr Anliegen war ein Wandel der Kirche, bei dem Traditionen kritisch überprüft, mitunter aufgegeben wurden, um […]

Kirchen oder noch allgemeiner Religionsgemeinschaften gelten oft als Orte von Tradition, in denen Glauben und Glaubenspraktiken über Jahrtausende weitergegeben werden. Evangelische Kirchen nehmen für sich dabei jedoch eine differenziertere Rolle ein, denn sie berufen sich ja auf die Reformation. Ihr Anliegen war ein Wandel der Kirche, bei dem Traditionen kritisch überprüft, mitunter aufgegeben wurden, um die Glaubensinhalte deutlicher in den Vordergrund zu stellen.

Zitate und Lieder

Nicht überraschend heißt ein viel zitiertes Motto „Ecclesia semper reformanda“, wobei selbst in einer Runde von Theologen Unklarheit besteht, wessen Zitat dieses Motto denn ist und wie es ggf. weiter lautet. Schon das zeigt: Wandel ist nicht fremd, sondern konstitutiv für evangelische Kirche, aber zugleich ist weitgehend unklar, wie damit umzugehen, wie er zu bewerten ist.

Nachdem die Vollversammlung der GEKE 2024 das Thema „Theologie des Wandels“ als Studienprozess gewünscht hatte, wurde vom Rat 2025 ein Konzept beschlossen, demzufolge zunächst in verschiedenen Regionen Europas Geschichten und Gedanken über Wandel in der Kirche gesammelt werden sollten. Besonders interessiert zeigte sich die Regionalgruppe Süd-Osteuropa, die als Oberthema für Ihre Arbeit jedoch den leicht abgewandelten Titel „Theologie in Zeiten des Wandels“ wählte.

Umringt von Fall und Wandel leben wir.
Unwandelbar bist du: Herr, bleib bei mir!

… so heißt es in dem beliebten Abendlied „Bleib bei mir Herr“ von Theodor Werner (Umdichtung des engl. „Abide with me“ von Henry Francis Lyte 1847). Unwillkürlich hatte so mancher Evangelischer dieses Lied im Kopf, als das Thema „Wandel“ angesprochen wurde. Wird „Wandel“ in evangelischen Kirchen tatsächlich in eine Reihe mit „Fall“ oder gar als bedrohlicher „Verfall“ gesehen?

Regionalgruppentreffen in Florenz

Von 16. bis 19. März 2026 traf sich die Regionalgruppe Süd-Osteuropa in Florenz. Thomas Prieto-Peral, evangelisch-lutherischer Regionalbischof in München, erinnerte in einem Impuls daran, dass Bewahrung und Erneuerung in Kirchen stets Hand in Hand gehen sollen. In einem weiteren Vortrag berief sich Patrick Todjeras vom Amt für Evangelisation und Gemeindeaufbau der Evang. Kirche in Österreich auf den Psychologen Daniel Kahneman und sprach sich für langsames und bewusstes Denken („System 2“) bei kirchlichen Veränderungsprozessen aus. Bei dem Treffen der Regionalgruppe wurden viele Formen und Beispiele von Veränderungen besprochen. Offensichtlich wird in keiner Kirche Wandel grundsätzlich als Bedrohung verstanden. Andererseits scheinen die Kirchen der Region Süd- und Osteuropa aber auch eher zögerlich, von sich aus Veränderungen zu initiieren, sondern reagieren vor allem auf äußere Entwicklungen.

Im Moment scheint damit sehr offen, in welche Richtung die Studien zu Theologie und Wandel in der GEKE gehen werden. Neben weiteren Gesprächen in Regionalgruppen wird sich eine vom Rat berufene Steuerungsgruppe damit beschäftigen, wie diese Studien für die evangelischen Kirchen in Europa weitergehen müssen um fruchtbar zu sein.