Wenn in verschiedenen Sprachen das „Vater unser“ gebetet wird und bekannte Kirchenlieder, Bibeltexte und Predigten in unterschiedlichen europäischen Sprachen erklingen, dann bekommt man eine Ahnung davon, was mit GEKE-Spirit gemeint ist. Bei der Ratssitzung in Bratislava, bei der rund 30 Personen aus 13 verschiedenen Ländern zusammenkamen, wurde eines der Hauptanliegen der GEKE, über Konfessions-, Kultur-, und Sprachgrenzen hinweg Gottesdienst zu feiern, erlebbar.
Die Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in der Slowakei und die Reformierte Christliche Kirche in der Slowakei (beides GEKE-Mitgliedskirchen) – Minderheitskirchen in einem mehrheitlich katholischen Land – haben als gastgebende Kirchen die Ratssitzung mit vorbereitet, den Gottesdienst gestaltet, die Sitzungsräumlichkeiten zur Verfügung gestellt, einen Stadtrundgang und ein Abendessen mit einer folkloristischen Gesangstruppe organisiert. Wir danken für die detailreichen Vorbereitungen und den reibungslosen Ablauf!
Arbeitsthemen im innerkirchlichen Feld sowie bei Demokratie und sozialem Engagement
Ein Kontrast zum atmosphärischen Schönklang war das Einstiegsthema der Ratssitzung: die durch den Ukraine-Krieg ausgelöste menschliche und sicherheitspolitische Krise in Europa. Ratsmitglieder aus den an Russland und die Ukraine angrenzenden Ländern berichteten von Hilfsprojekten für Flüchtlinge, von warmen Mahlzeiten, gemeinsamen Aktivitäten und Bildungsangeboten, aber auch davon, wie die Gesellschaft sich auf den Verteidigungsfall vorbereitet.
Ein Thema, das ebenfalls aus der Wohlfühlzone herausführte, ist die langfristige finanzielle Lage der GEKE. Beschlossen wurde, in Zukunft die Mitgliedsbeiträge an die Anzahl der Kirchenmitglieder und an den Kaufkraftindex im jeweiligen Land anzupassen. Der Mindestbeitrag von 300 Euro bleibt für Kirchen mit bis zu 20.000 Mitgliedern aufrecht.
Mit den Herausforderungen für Kirchen in Europa beschäftigt sich die „Theologie des Wandels,“ die Antworten auf die sozial, finanziell und personell bedingten Veränderungen sucht. Der Rat befasste sich mit diesem Arbeitsprozess wie auch mit der anstehenden Konsultation zu „Amt, Ordination und Episkopé“ . Das gleichnamige Lehrgesprächsergebnis der GEKE ist bereits vor einigen Jahren als Buch erschienen. Bei der Relecture soll die veränderte Situation in Bezug auf Mangel im Pfarrberuf und neue Zugangsmöglichkeiten ins Pfarramt ebenso in den Blick genommen werden wie die Rolle von ordinierten Frauen (v.a. in leitenden Positionen in der Kirche) .
Weiters nahm der Rat Berichte zur Entwicklung des Lehrgesprächs zur Lehrverschiedenheit in der Kirchengemeinschaft sowie zu den Dialogen mit der römisch-katholischen Kirche und mit der Europäischen Baptistischen Föderation entgegen und diskutierte den Fortgang dieser Prozesse.
Über Konfessionsunterschiede hinaus geht der Arbeitsbereich „Kirchengemeinschaft und Migration“: Die europäische Kirchenlandschaft wird immer bunter, da zahlreiche Gläubige aus verschiedenen Teilen der Welt ihre Kirchen nach Europa bringen. In manchen europäischen Ländern (etwa Frankreich) ist die christliche Interkulturalität ein wichtiges Arbeitsfeld. Der GEKE-Rat entschied zu identifizieren, mit welchen aus der Migration stammenden Kirchen die nächsten Erkundungsgespräche geführt werden.
Eine Herausforderung für Europa bleibt das Thema Demokratie in der Poralisierung zwischen Pluralismus und Populismus. Der Rat beschloss, noch einmal einen EU-Förderantrag für die Entwicklung und Verbreitung des „Demokratie-Kompass“ (Arbeitsmaterialien für die Mitgliedskirchen) zu stellen.
Pfarrer Enno Haaks, der Generalsekretär des Gustav-Adolf-Werks (GAW) stellte dem Rat die kirchlichen Hilfsprojekte vor, die das GAW in den vergangenen sechs Jahren für die GEKE durchgeführt hat. Das Geld stammt aus der italienischen Kultursteuer Otto-per-Mille der Evangelischen Waldenserkirche. Fast eine Million Euro wurden so für Bildungs- und Sozialprojekte in den GEKE-Mitgliedskirchen und der Fellowship of Middle East Evagelical Churches (FMEEC) investiert. Der Schwerpunkt lag dabei auf Projekten in sieben europäischen Ländern für Kinder, die von der Arbeitsmigration ihrer Eltern betroffen sind („Eurowaisen“).
Der Rat beschloss eine Stellungnahme zum 1700-jährigen Jubiläum des Konzils von Nizäa, das am 27. November 2025 veröffentlicht wird.
Nächste Vollversammlung 2031 und Personalwechsel
Da im Jahr 2030 bereits mehrere ökumenische Vollversammlungen geplant sind, hat der Rat der GEKE beschlossen, die nächste Vollversammlung erst im Jahr 2031 abzuhalten, um die Ressourcen der Mitgliedskirchen zu schonen. Der Ort ist noch offen. Um die Diversität kennenzulernen, werden die Vollversammlungen immer in anderen europäischen Regionen durchgeführt. Für die nächste Vollversammlung ist Südfrankreich mit angrenzendem Nordspanien oder die Ostseeregion im Gespräch.
Für Generalsekretär Mario Fischer war es die letzte ordentliche Ratssitzung. Die geschäftsführende Präsidentin Rita Famos dankte ihm für seinen großen Einsatz. Die designierte Generalsekretärin Susanne Schenk nahm als stellvertretendes Ratsmitglied an der Sitzung teil und beeindruckte mit einer Andacht über das Morgenlied „All Morgen ist ganz frisch und neu“, das sie in seiner Bedeutung innerhalb der Reformationszeit als auch in der europäischen Ökumene des 20. Jahrhunderts auslegte.

