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ECIC-Konferenz auf der Suche nach der Wahrheit im Medienzeitalter

Die ECIC-Konferenz (European Christian Internet Conference), die seit 1997 besteht und sich einmal jährlich trifft, verschrieb sich heuer dem Thema "Leading in the Age of Misleading: The Role of Churches in Countering Disinformation". Die GEKE war erstmalig bei der Konferenz vertreten. Insgesamt kamen Medienexpert*innen, kirchliche Medienmitarbeiter*innen und Theolog*innen aus 12 vornehmlich nordischen europäischen Ländern zusammen, […]

Die ECIC-Konferenz (European Christian Internet Conference), die seit 1997 besteht und sich einmal jährlich trifft, verschrieb sich heuer dem Thema „Leading in the Age of Misleading: The Role of Churches in Countering Disinformation“. Die GEKE war erstmalig bei der Konferenz vertreten. Insgesamt kamen Medienexpert*innen, kirchliche Medienmitarbeiter*innen und Theolog*innen aus 12 vornehmlich nordischen europäischen Ländern zusammen, aber auch Deutschland und Italien waren vertreten. Die Themenbreite war enorm, wobei viele der aktuell brisanten Themen (Fake News – auch mithilfe von KI, Cyberangriffe, Manipulationen) aus estnischer Perspektive beleuchtet wurden.

Gastgeberin der Konferenz war die Estnische Evangelische Lutherische Kirche (EELC). Erzischof Urmas Viilma, der auch der Präsident des Estnischen Rats der Kirchen ist, sprach über die herausfordernde Situation an der Grenze zwischen „Ost“ und „West“. Er erwähnte die erschwerte Zusammenarbeit mit dem dem Moskauer Patriarchen unterstellten Zweig der orthodoxen Kirche, da eine Distanzierung vom Krieg in der Ukraine niemals erfolgte. Die Kirche werde für die hybride Kriegsführung missbraucht und anstatt ein spiritueller Ort zu sein, würden Gläubige vor die Wahl gestellt, sich zwischen dem Glauben und ihrer Loyalität zum estnischen Staat zu entschieden.

Bei den Vorträgen der Konferenz wurde das veränderte Medienkonsumverhalten angesprochen. Es geht um das Gefühl, das erzeugt wird. Ob die Geschichten erfunden oder wahr sind, spielt eine untergeordnete Rolle, zumal es mit fortschreitender Entwicklung immer schwieriger wird, Lügen von Wahrheit zu unterscheiden. Lügen ziehen jedoch besser: sie werden im Schnitt siebenmal öfter angeklickt als Fakten. Betroffen davon sind zunehmend auch die Social Media-Kanäle. Immer mehr Beiträge sind KI-generiert und ohne seriöse Quellenangaben. Viele Beiträge sind kommerzorientierte Werbeinserate. Die Reichweite etwa von Kircheneinträgen werde immer geringer und teilweise verschwänden Profile ohne Grund.

Doch Social Media ist manchmal auch ein wichtiges Sprachrohr der Wahrheit, auch im Kirchenkontext. Davon berichtete Matthew Batten, Leiter der Kommunikation der Kirche von Wales. Die hierarchisch organisierte Kirchenkommunikation setzte jahrzehntelang auf Vertuschung von sexuellem Missbrauch und musste schließlich auf die Recherchen und Beiträge der Social Media Influencer, die sich des Themas angenommen hatten, reagieren. Digitaler Aktivismus kann Autoritäten zum Einlenken und zur Wahrheit zwingen.

Die nächste ECIC-Konferenz wird in Rom stattfinden und Künstliche Intelligenz zum Thema haben.