{"id":5276,"date":"2026-11-06T10:28:29","date_gmt":"2026-11-06T10:28:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/?p=5276"},"modified":"2026-11-06T10:28:32","modified_gmt":"2026-11-06T10:28:32","slug":"einsichten-und-beobachtungen-frankfurt-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/2026\/11\/06\/einsichten-und-beobachtungen-frankfurt-2026\/","title":{"rendered":"Occasional services \u2013 Kasualien. Einsichten und Beobachtungen"},"content":{"rendered":"<p><em>Workshop der Kasualien-Konsultation. Foto: GEKE.<\/em><\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Konsultation zu Kasualien ist zu ihrem Ende gekommen. Das Amen der Sendungsliturgie wurde gesprochen. Alle 43 Teilnehmenden kehren an ihre Lebens- und Arbeitsorte zur\u00fcck. In ihrem geistigen Gep\u00e4ck nehmen sie Unterschiedliches mit. Was nach W\u00fcrttemberg mitgenommen wird, steht in den folgenden Zeilen.<\/p>\n<h2>Kasualien sind missionarisch<\/h2>\n<p>In der Auswertung von #einfachheiraten zeigt sich, dass die Aktion kein Mittel ist, um neue Mitglieder zu werben \u2013 und das gilt erfahrungsgem\u00e4\u00df auch f\u00fcr andere Kasualien. Mehrheitlich haben Menschen teilgenommen, die (noch) Kirchenmitglieder sind, sich aber in vielen F\u00e4llen nicht als kirchennah empfinden. Insofern sind Kasualien nicht missionarisch. Missionarisch sind sie aber in anderer Hinsicht. Es mag sein, dass niemand aufgrund einer Kasualie in die Kirche eintritt. Aber wir hoffen, dass Menschen sich an ihre Bindung an die Kirche erinnern und ihren Glauben st\u00e4rken oder erneuern lassen.<\/p>\n<p>Insofern sind Kasualien \u201echurchy\u201c im besten Sinn: Kasualien machen Kirche sichtbar und fordern uns zu einer klaren und erkennbaren Theologie, zu Ehrlichkeit und Transparenz heraus. Die Kirche stellt sich in den Dienst aller, die zu ihr geh\u00f6ren. Sie wird sichtbar und ist einladend und zeigt im Segen eine Haltung, aus der Handlung wird.<\/p>\n<h2>Kasualien sind ausdrucksstark<\/h2>\n<p>Glaube kommt aus dem H\u00f6ren, aber nicht nur. Glaube kommt auch aus dem Artikulieren. Indem Menschen ermutigt werden, auf ihre Weise und mit ihren Worten ihrer Hoffnung, ihrer Sorgen, ihrem Schmerz und Zweifel Ausdruck zu geben, dienen Kasualien dazu, nach Glauben zu fragen und Glauben zur Sprache zu bringen. Glaube kommt aber auch aus dem Tun. Kasualien erm\u00f6glichen in besonderer Weise Partizipation und durch die Partizipation auch Reflexion dessen, was geschieht.<\/p>\n<p>Wie m\u00fcssen Kasualien gestaltet sein, um Teilhabe und Erleben, Reflexion und Begleitung zu erm\u00f6glichen?<\/p>\n<h2>Kasualien wirken nach innen<\/h2>\n<p>Aktionen wie \u201eeinfach heiraten\u201c, die in Gemeinschaft vorbereitet und durchgef\u00fchrt werden, st\u00e4rken die Kirche nach innen und das brauchen wir, um nach au\u00dfen wirken zu k\u00f6nnen. Das geschieht erstens durch die Notwendigkeit zur theologischen Reflexion dar\u00fcber, was f\u00fcr uns in unserem kirchlichen und liturgischen Handeln leitend ist. Das tun wir auch hier miteinander.<\/p>\n<p>Zweitens geschieht das durch das Erleben von Gottesdienst und Segen bei der gemeinsamen Vorbereitung und Durchf\u00fchrung des Tages. Die Beteiligten vor Ort erlebten sich selbst als gesegnet. Wenn die Beteiligten gleichzeitig Segen weitergeben und Segen empfangen, werden Kasualien zu einem segenreichen Resonanzraum.<\/p>\n<p>Aber: Nicht immer ist das bei Kasualien der Fall. Oft sind Pfarrpersonen \u00fcberlastete Einzelk\u00e4mpfer:innen, sie erleben Kasualien als Last in einem ohnehin zu eng getakteten Zeitplan und haben zu wenig Zeit zur vertieften theologischen Reflexion. Wie m\u00fcssten wir den pfarramtlichen Alltag gestalten, damit die Selbstwirksamkeit von Kasualien sp\u00fcrbar werden kann? Welche Voraussetzungen m\u00fcssen daf\u00fcr geschaffen werden?<\/p>\n<h2>Kasualien sind sprachf\u00e4hig<\/h2>\n<p>Liturgische Sprache und liturgisches Handeln sind insbesondere bei Kasualien fragil und vulnerabel. Gleichzeitig wollen sie viel, denn Segen ist immer auch ein gebrochener Segen. Er spricht in die Fragilit\u00e4t und Verwundbarkeit von Menschen hinein, deutet die oft gebrochenen Lebensgeschichten im Licht Gottes und f\u00fchrt hinein in eine Gemeinschaft von vielen mit ebenfalls fragilen Geschichten, die sich dennoch und deswegen immer wieder unter den Segen Gottes stellen. Liturgische Sprache will in die Gemeinschaft f\u00fchren und dennoch individuell und pers\u00f6nlich sein. Sie bringt Fragilit\u00e4t zum Ausdruck und will gleichzeitig st\u00e4rken. Sie ruft in die Verantwortung, darf dabei aber nicht regulatorisch daherkommen. Dabei agieren Liturg:innen insbesondere bei Kasualien als Zeug:innen eines Glaubens, der vielen, die feiern, fremd geworden ist. Wenn die Liturgie theologia prima ist, m\u00fcssen Menschen sie verstehen k\u00f6nnen, und zwar auf unterschiedlichen Ebenen: Durch Sprache, aber auch in Musik, Atmosph\u00e4re, Raum oder K\u00f6rper. Wir brauchen also eine liturgische Sprache und einen liturgischen Erfahrungsraum, die Menschen f\u00fcr den Moment dieses einen Gottesdienstes in unseren eigenen Glaubensraum einladen.<\/p>\n<p>Welche Sinne sprechen Kasualgottesdienste an und wie er\u00f6ffnen sie Sinn? Beten wir f\u00fcr oder mit den Menschen? Wie klingen Gebete, die einen offenen Klangraum bereithalten? Brauchen wir f\u00fcr alle verbindliche und wiedererkennbare liturgische Gebetssprache oder pers\u00f6nlich und individuell ausgestaltete Gebete?<\/p>\n<h2>Kasualien sind \u201efragw\u00fcrdig\u201c<\/h2>\n<p>Kasualien wollen Menschen begleiten, nicht nur an \u00dcberg\u00e4ngen als rite de passage, sondern in vielen Lebenssituationen. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir aber wissen, worin Menschen eigentlich begleitet werden wollen. Kasualien m\u00fcssen fragen und sich fragen lassen. Die Finnische Kirche stellt sich dieser Aufgabe, indem sie Mitglieder und Angestellte nach ihren W\u00fcnschen f\u00fcr Kasualgottesdienste befragt. Noch mehr tut sie das, indem sie sich bem\u00fcht, mit unterschiedlichen ethnischen Gruppen in ihrer Kirche kontextuelle, inkulturierte Liturgien zu erarbeiten.<\/p>\n<p>Wenn wir Menschen ernsthaft fragen, was sie wollen, lernen wir. Wir werden auch glaubw\u00fcrdiger. Aber wir m\u00fcssen uns daf\u00fcr aus unserer eigenen Komfortzone herausbewegen und uns selbst in Frage stellen lassen. Wir m\u00fcssen uns anderen Perspektiven stellen und werden angreifbar. Wie kann das in unterschiedlichen Kontexten und Kulturen geschehen?<\/p>\n<h2>Kasualien sind Segen \u2013 und was ist mit dem Fluch?<\/h2>\n<p>Das, was alle Kasualien verbindet, ist der Segen. Diesen Segen spenden wir in, mit und unter dem Kreuz, an dem der Fluch des Todes zum Versprechen der lebendigen Liebe Gottes wird. Wie denken wir Segen und Fluch zusammen? In einer Kirche, die \u2013 wie es die Untersuchungen zu sexualisierter Gewalt im kirchlichen Kontext unmissverst\u00e4ndlich zeigen \u2013 selbst Menschen zum Fluch geworden ist und es immer noch wird, k\u00f6nnen wir nicht vom Segen sprechen, ohne auch \u00fcber den Fluch nachzudenken. Kirche wird auf ihre eigene Fehlbarkeit zur\u00fcckgeworfen und muss sich fragen lassen, was das f\u00fcr ihre Haltung und ihr Handeln bedeutet.<\/p>\n<p>Die Ambiguit\u00e4t von Segen und Fluch m\u00fcssen darum auch im Kontext von Segensfeiern theologisch und liturgisch reflektiert werden. Wie kann Kirche angesichts ihrer Verfehlungen dennoch Segen weitergeben? Wie klingt dieser Segen, wie wird er sp\u00fcrbar, wie laut, leise, verletzlich und (an-)klagend kann oder muss so ein Segen sein? Wie kann Segen Vergangenes ehrlich benennen, f\u00fcr die Gegenwart st\u00e4rken und Zukunft er\u00f6ffnen?<\/p>\n<p>Pfrn. Dr. Hendrike Frey-Anthes (Ev. Landeskirche W\u00fcrttemberg)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/frankfurt-2026\/#berichte\">Weitere Berichte zur Konsultation Frankfurt 2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach Abschluss der Konsultation nimmt Hendrike Frey-Anthes Einsichten und offene Fragen nach W\u00fcrttemberg mit: zu Mission, Beteiligung, liturgischer Sprache und Segen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5274,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[24,23,11],"tags":[],"class_list":["post-5276","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-deutsch-de","category-english-de","category-nachrichten"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5276","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5276"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5276\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5277,"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5276\/revisions\/5277"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5274"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5276"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5276"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5276"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}