{"id":5047,"date":"2026-10-07T14:06:35","date_gmt":"2026-10-07T13:06:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/?p=5047"},"modified":"2026-10-07T14:08:47","modified_gmt":"2026-10-07T13:08:47","slug":"die-gemeinschaft-macht-den-unterschied","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/2026\/10\/07\/die-gemeinschaft-macht-den-unterschied\/","title":{"rendered":"Die Gemeinschaft macht den Unterschied"},"content":{"rendered":"<p>\u201eIch bin froh, dass mein Sohn in der Schule einfach erz\u00e4hlen kann, dass er am Sonntag im Gottesdienst war \u2013 und daf\u00fcr nicht komisch angeschaut wird.\u201c Maarja Krussmets steht im Pausenraum des Gymnasiums der Kaarli-Schule in Tallinn und spricht so lebhaft, dass ihre Korkenzieherlocken wippen. Sie ist nicht nur Mutter eines Sch\u00fclers, sondern auch Englischlehrerin an der Schule in kirchlicher Tr\u00e4gerschaft. Und offensichtlich begeistert vom Konzept der Schule.<\/p>\n<p>Nicht nur, dass hier Religion unterrichtet wird, christliche Feste gefeiert und christliche Werte vermittelt werden \u2013 auch die p\u00e4dagogische Ausrichtung ist besonders: Die Schule liegt mitten in der Stadt und macht sich das zunutze. \u201eMittwochs ist bei uns kein regul\u00e4rer Unterricht. Alle Klasse gehen raus und besuchen einen anderen Lernort. Die drei Faktoren Umgebung, Erfahrung und Wissen sollen Teil der Bildung sein\u201c, so schildert Meelis Holsting das Konzept. Der Diakon tr\u00e4gt Ohrring und Kollarhemd und unterrichtet Religion am Gymnasium.<\/p>\n<p>Die Schule hat eine lange Geschichte. Schon 1880 existierte eine kirchliche Kindertagesst\u00e4tte, 1918 wurde das Gymnasium gegr\u00fcndet. Doch unter der russischen Besatzung im zweiten Weltkrieg musste die Einrichtung schlie\u00dfen. Erst nach Ende der Sowjetzeit konnte 1993 der Kindergarten wieder er\u00f6ffnet werden, 2013 folgte die Grundschule, 2023 wurden die ersten Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in die gymnasiale Oberstufe aufgenommen.<\/p>\n<p>Englischlehrerin Kruusmets f\u00fchrt durch die R\u00e4ume der Schule. In einem Flur steht ein Tisch mit Glassteinen. Die Kinder werden ermutigt, ein Gebet zu sprechen, wenn ihnen etwas auf dem Herzen liegt, und einen Stein in die Schale zu legen. Alles ist hell und freundlich eingerichtet \u2013 und hochwertig ausgestattet, die Klassenzimmer genauso wie die Werkr\u00e4ume im Untergeschoss. Ja, die Eltern m\u00fcssen Schulgeld bezahlen, best\u00e4tigt Maarja Kruusmets auf Nachfrage. Aber es gebe auch die M\u00f6glichkeit, ein Stipendium zu bekommen.<\/p>\n<p>Nicht alle Kinder und Jugendlichen an der Schule kommen aus Familien mit christlichem Hintergrund. \u201eViele sch\u00e4tzen die Freundlichkeit, die an der Schule herrscht, die Freiheit im Umgang miteinander\u201c, berichtet Diakon Holsting. Iko besucht die Oberstufe am Gymnasium und kann das best\u00e4tigen. In seiner Familie spiele Religion eigentlich keine Rolle, er habe sich f\u00fcr die Schule entschieden, weil Freunde von ich auch hier seien. \u201eIch mag die Gemeinschaft hier. Es ist eine kleine Schule, fast wie eine Familie\u201c, sagt er. Und die Religion? Vieles sei neu f\u00fcr ihn, aber auch interessant. \u201eIch lerne viel.\u201c<\/p>\n<p>Vom privilegierten Lernort im Zentrum Tallinns geht es weiter zu den Gemeinder\u00e4umen der Bethel-Gemeinde. Dort ist aus bescheidenen Anf\u00e4ngen ein Sozialzentrum f\u00fcr benachteiligte Kinder und Jugendliche entstanden. Neben der Tagesst\u00e4tte, die den Kern der Arbeit bildet, gibt es auch ein Kinderheim, in dem Kinder- und Jugendliche wohnen k\u00f6nnen, sobald sie bereit sind, jeden Tag in die Schule zu gehen. Und auch erlebnisp\u00e4dagogische Angebote wie Sommerfreizeiten geh\u00f6ren zur Arbeit.<\/p>\n<p>F\u00fcr Matti Sinisaar, der durch das Zentrum f\u00fchrt, ist der christliche Glaube die zentrale Motivation f\u00fcr all sein Handeln. Immer wieder l\u00e4sst der Direktor der Einrichtung einen passenden Bibelvers in seine Pr\u00e4sentation einflie\u00dfen. Bewegt erz\u00e4hlt er von den Anf\u00e4ngen Ende der neunziger Jahre. Freiwillige aus der Kirchengemeinde begannen damit, Stra\u00dfenkinder mit Essen zu versorgen, die im Tallinner Stadtteil Koplin unter menschunw\u00fcrdigen Bedingungen hausten. Er berichtet von Marina und ihrem Bruder, die in der Kanalisation lebten. Nur Marina hat es geschafft, sich helfen zu lassen \u2013 ihr Bruder nicht. Er lebt heute nicht mehr. Marina hat heute selbst Kinder und dankt auf der Homepage dem Peeteli-Zentrum f\u00fcr die Unterst\u00fctzung, die ihr Leben ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p>Der Rundgang durch die R\u00e4ume endet im Gemeinschaftsraum, in dem der gro\u00dfe Esstisch steht. Das gemeinsame Essen ist ein zentraler Teil der Gemeinschaft, zu der christlicher Glauben selbstverst\u00e4ndlich dazugeh\u00f6rt. Vor dem Essen wird in der Bibel gelesen \u2013 die Kinder d\u00fcrfen selbst ausw\u00e4hlen, in welcher Sprache. Und an den W\u00e4nden h\u00e4ngen Plakate mit dem Vaterunser \u2013 unter anderem auf russisch, ukrainisch, estnisch und englisch. \u201eDen Kindern das Vaterunser nahe zu bringen, das ist gerade unser Ziel\u201c, erkl\u00e4rt Sinisaar.<\/p>\n<p>Die langj\u00e4hrige Arbeit im Zentrum hat auch ihn ver\u00e4ndert, erz\u00e4hlt er. Durch die estnische Geschichte, durch die Erz\u00e4hlungen der \u00e4lteren Generation von Gr\u00e4ueln in der russischen Besatzungszeit, sei er mit einem Hass auf Russen aufgewachsen, berichtet der Direktor. Und er sieht es als Gottes Plan, dass die meisten Kinder, denen er seither im Zentrum geholfen hat, ausgerechnet russischsprachig waren. \u201eLass dich nicht vom B\u00f6sen \u00fcberwinden, sondern \u00fcberwinde das B\u00f6se mit Gutem\u201c, zitiert er aus dem R\u00f6merbrief.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo in Tallinn wird christlicher Glaube an die junge Generation weitergegeben wird<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":5041,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[24,25,11],"tags":[],"class_list":["post-5047","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-deutsch-de","category-featured-de","category-nachrichten"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5047","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5047"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5047\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5048,"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5047\/revisions\/5048"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5041"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5047"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5047"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5047"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}