{"id":2915,"date":"2025-12-03T12:45:21","date_gmt":"2025-12-03T12:45:21","guid":{"rendered":"https:\/\/2025.leuenberg.eu\/?p=2915"},"modified":"2025-12-05T09:23:35","modified_gmt":"2025-12-05T09:23:35","slug":"erklaerung-des-geke-rates-wir-verdanken-dem-konzil-von-nicaea-sehr-viel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/2025\/12\/03\/erklaerung-des-geke-rates-wir-verdanken-dem-konzil-von-nicaea-sehr-viel\/","title":{"rendered":"Erkl\u00e4rung des GEKE-Rates: Wir verdanken dem Konzil von Nic\u00e4a sehr viel"},"content":{"rendered":"<div dir=\"auto\">\n<p><em>Vor genau 1700 Jahren gelang es dem Konzil von Nic\u00e4a, ein Glaubensbekenntnis zu formulieren, das unseren Glauben an einen Gott \u2013 den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist \u2013 als Ausdruck des biblischen Zeugnisses bekr\u00e4ftigt. Anl\u00e4sslich dieses Jubil\u00e4ums befasst sich die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) mit den Ergebnissen des Konzils und der Frage, wie diese zeitgem\u00e4\u00df vermittelt werden k\u00f6nnen, sowie mit der Rolle des Staates in kirchlichen Angelegenheiten. Die Erkl\u00e4rung bef\u00fcrwortet ein gemeinsames Osterfest, da das Datum nach wie vor davon abh\u00e4ngt, ob die Kirchen dem \u00f6stlichen oder dem westlichen Kirchenkalender folgen.<\/em><\/p>\n<p>Im Jahr 2025 wurde vielerorts in Form von wissenschaftlichen Konferenzen und kirchlichen Gedenkveranstaltungen das 1700-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um des Konzils von Niz\u00e4a gefeiert. In die allgemeinen Feierlichkeiten m\u00f6chten auch wir als Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) einstimmen, denn wir haben dem Konzil und seinen Entscheidungen viel zu verdanken. Dem Konzil von Niz\u00e4a gelang es, ein Glaubensbekenntnis zu formulieren, das unseren Glauben an den einen Gott \u2013 den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist \u2013 als Ausdruck des biblischen Zeugnisses auszusagen vermochte.<\/p>\n<\/div>\n<p>Die Bedeutung des Konzils besteht f\u00fcr uns heute vor allem in dreierlei Hinsicht: in dem auf dem Konzil verabschiedeten dogmatischen Glaubensbekenntnis, in der Rolle der politischen Macht in kirchlichen Belangen und in der Festlegung auf ein gemeinsames Osterdatum. Im Folgenden wollen wir auf die einzelnen Punkte n\u00e4her eingehen und sie im Lichte der Leuenberger Konkordie, dem Gr\u00fcndungsdokument der GEKE, w\u00fcrdigen.<\/p>\n<p><strong>1. Das dogmatische Glaubensbekenntnis<\/strong><\/p>\n<p>Wir wissen darum, dass das 325 verabschiedete dogmatische Glaubensbekenntnis zun\u00e4chst nicht zur Befriedung der in der damaligen Zeit intensiv gef\u00fchrten dogmatischen Auseinandersetzungen gef\u00fchrt hat, aber wir sind dankbar, dass es m\u00f6glich war, sich dem biblisch bezeugten Geheimnis der Menschwerdung Gottes mit Hilfe des philosophischen Begriffs des\u00a0<em>homoousios<\/em>\u00a0zu n\u00e4hern. Folglich sehen wir in dem Bekenntnis von 325 die Grundlage f\u00fcr eine Entwicklung, die im Laufe des 4.\u00a0Jahrhunderts zur Formulierung des Nic\u00e4no-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnisses f\u00fchrte, das heute \u00f6kumenisch weithin anerkannt ist.<\/p>\n<p>Die Leuenberger Konkordie stellt sich ganz bewusst in diese Bekenntnistradition (LK 4 u. 12) und folgt damit der reformatorischen Theologie, die ausdr\u00fccklich an die altkirchlichen Bekenntnisse angekn\u00fcpft hat. Wir sind \u00fcberzeugt, dass diese Ankn\u00fcpfung nicht auf unreflektiertem Traditionalismus beruhte, sondern auf der theologischen Einsicht, dass die Rechtfertigungslehre die Lehre vom dreieinigen Gott einschlie\u00dft (LK 8).<\/p>\n<p>Die Formulierung des trinitarischen Gottesglaubens war ein innovativer Durchbruch im Denken \u00fcber Gott, der bis heute von hoher Relevanz ist, gerade auch angesichts der weit verbreiteten Auffassung, die den Glauben an den dreieinigen Gott zu einer unn\u00f6tigen Schwierigkeit erkl\u00e4rt. Das christliche Konzept der Trinit\u00e4tslehre wird insbesondere in der Begegnung mit anderen Religionen immer wieder angefragt und ist in der s\u00e4kularen Welt oft schwer zu vermitteln. Wir nehmen daher das Jubil\u00e4um des Konzils zum Anlass, uns erneut auf das zentrale Bekenntnis des Glaubens an Jesus Christus und den dreieinigen Gott mit ihrer Heilsbedeutung einzulassen, wie es in der Formulierung \u201ef\u00fcr uns und zu unserem Heil\u201c zum Ausdruck kommt. Wir verpflichten uns, neue und frische Ausdrucksformen zu finden, um die Wahrheit dieses Bekenntnisses mit der heutigen Welt auf unserem gemeinsamen Bekenntnisweg zu teilen.<\/p>\n<p>Die sp\u00e4tere Auslassung der Niz\u00e4nischen Verurteilungen (Anathemen) lehrt uns, dass das Zeugnis f\u00fcr den wahren Glauben heute nicht durch Ausgrenzung oder Verurteilung erfolgen kann, sondern durch eine vers\u00f6hnte Vielfalt im Bekennen, wie uns die Leuenberger Konkordie verst\u00e4ndlich gemacht hat.<\/p>\n<p><strong>2. Die Rolle der politischen Macht<\/strong><\/p>\n<p>Wir wissen darum, dass die Rolle von Kaiser Konstantin beim Konzil von Niz\u00e4a von einigen sehr kritisch gesehen wird und sein Einfluss auf die theologischen Verhandlungen des Konzils als viel zu weitreichend eingestuft wird. Es besteht kein Konsens dar\u00fcber, welchen Einfluss der Kaiser tats\u00e4chlich auf die Ergebnisse des Konzils hatte.<\/p>\n<p>Im Verlauf der Geschichte haben auch protestantische Kirchen davon profitiert, dass politische Kr\u00e4fte Verantwortung f\u00fcr die Ordnung der Kirche \u00fcbernommen haben. Wenn es heutzutage allerdings Ans\u00e4tze gibt, die den Kaiser als Vorbild f\u00fcr ein christliches Herrschaftssystem in harmonischer Einheit von kirchlicher und politischer Macht darstellen wollen, dann grenzen wir uns entschieden von solchen Ans\u00e4tzen ab: Politische M\u00e4chte sollten weder theologisch \u00fcberh\u00f6ht werden, noch sollten Kirchen von politischen M\u00e4chten instrumentalisiert werden. Heute betrachten wir es als eine wichtige Aufgabe des Staates, die Religions- und Glaubensfreiheit zu garantieren.<\/p>\n<p>Das sagen wir nicht zuletzt selbstkritisch mit Blick auf unsere eigenen reformatorischen Traditionen, die sich in einigen F\u00e4llen zur Entledigung ihrer theologischen Gegner der Obrigkeiten bedient haben. Zu diesen Gegnern z\u00e4hlten dabei insbesondere auch jene, die das Niz\u00e4nische Glaubensbekenntnis nicht mittragen konnten und deshalb zur Auswanderung gezwungen oder hingerichtet wurden. Hier stehen wir als GEKE f\u00fcr ein v\u00f6llig anderes Verst\u00e4ndnis von Zeugnis und Dienst, das allein \u201eder Bem\u00fchung um Gerechtigkeit und Frieden\u201c (LK 36) verpflichtet ist.<\/p>\n<p><strong>3. Ein gemeinsames Osterdatum<\/strong><\/p>\n<p>Wir wissen darum, dass historisch nicht g\u00e4nzlich gekl\u00e4rt ist, inwieweit die Festlegung eines gemeinsamen Osterdatums auf das Konzil von Niz\u00e4a zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Die Festlegung als solche sehen wir jedoch als Meilenstein an, der uns auch heute noch an unsere gemeinsame \u00f6kumenische Verantwortung erinnern kann und soll.<\/p>\n<p>Heute feiern Christinnen und Christen Ostern an unterschiedlichen Daten, je nachdem, ob sie dem \u00f6stlichen oder dem westlichen Kirchenkalender folgen. Auch innerhalb unserer eigenen evangelischen Kirchengemeinschaft feiern einige Kirchen im orthodoxen Umfeld nach dem \u00f6stlichen Ostertermin.<\/p>\n<p>In der Leuenberger Konkordie wird \u201ezur wahren Einheit der Kirche die \u00dcbereinstimmung in der rechten Lehre des Evangeliums und in der rechten Verwaltung der Sakramente\u201c (LK 2) genannt. Auch hei\u00dft es dort, dass wir \u201edie Gemeinschaft mit Jesus Christus in seinem Leib und Blut [\u2026] nicht vom Akt des Essens und Trinkens trennen\u201c k\u00f6nnen (LK 19) und \u201edie Verk\u00fcndigung der Kirchen [\u2026] in der Welt an Glaubw\u00fcrdigkeit\u201c gewinnt, \u201ewenn sie das Evangelium in Einm\u00fctigkeit bezeugen\u201c (\u00a7 36). Die Leuenberger Konkordie fordert uns daher dazu auf und ermutigt uns, darauf hinzuarbeiten, dass das Osterfest in Zukunft wieder in der ganzen Christenheit an einem gemeinsamen Datum gefeiert wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor genau 1700 Jahren gelang es dem Konzil von Nic\u00e4a, ein Glaubensbekenntnis zu formulieren, das unseren Glauben an einen Gott \u2013 den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist \u2013 als Ausdruck des biblischen Zeugnisses bekr\u00e4ftigt. Anl\u00e4sslich dieses Jubil\u00e4ums befasst sich die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) mit den Ergebnissen des Konzils und der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":2914,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[24,25,11],"tags":[],"class_list":["post-2915","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-deutsch-de","category-featured-de","category-nachrichten"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2915","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2915"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2915\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2914"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2915"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2915"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2915"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}