{"id":2002,"date":"2024-12-02T14:49:26","date_gmt":"2024-12-02T14:49:26","guid":{"rendered":"https:\/\/2025.leuenberg.eu\/2024\/12\/02\/den-glauben-weitergeben-passing-on-the-faith-de-en\/"},"modified":"2024-12-02T14:49:26","modified_gmt":"2024-12-02T14:49:26","slug":"den-glauben-weitergeben-passing-on-the-faith-de-en","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.leuenberg.eu\/de\/2024\/12\/02\/den-glauben-weitergeben-passing-on-the-faith-de-en\/","title":{"rendered":"Den Glauben weitergeben \/ Passing on the Faith (DE, EN)"},"content":{"rendered":"<p><em>Die GEKE-Vollversammlung, August 2024 in Hermannstadt, hat in ihrem Abschlussbericht die wichtigsten Arbeitsthemen der kommenden sechs Jahre benannt. Eines davon ist \u201eDen Glauben weitergeben\u201c. Es ist gegenw\u00e4rtig eine gesamteurop\u00e4ische Herausforderung, dass die selbstverst\u00e4ndliche Weitergabe des Glaubens br\u00f6ckelt. Die klassischen Modelle, Weitergabe in der Familie, in der Kirche oder in der Schule scheinen nicht mehr zu greifen. Bindung und Wissen geht seit Jahren verloren. Generationen wachsen in Kirchenferne auf. Einer der Ans\u00e4tze, dieses zu \u00e4ndern, steckt im Wort \u201eMission\u201c.<\/em><\/p>\n<p><strong>Bukarest, 14.-16.11.2024<\/strong><\/p>\n<p>In diesem Register traf sich auch in Bukarest (Rum\u00e4nien) \u2013 unter der Leitung des Zentrums f\u00fcr Evangelische Theologie Ost (ZETO) &#8211; ein Runder Tisch. \u00a0Er hatte es sich zur Aufgabe gesetzt, das Wort \u201eMission\u201c mit greifbarem Inhalt zu f\u00fcllen. Die kirchlichen Reform- und Strukturprozesse (in diesem Fall der Evangelischen Kirche A.B. in Rum\u00e4nien) nutzen dieses Wort h\u00e4ufig, aber es ist meistens lediglich eine Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr ganz unterschiedliche Inhalte. Jeder f\u00fcllte es nach seiner pers\u00f6nlichen Lebens- und Glaubenseinstellung. <em>\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Die rund 25 Teilnehmer und Teilnehmerinnen trafen sich an einem Ort, der dem Alltag enthoben war. Bukarest hat zwar eine evangelische Kirchengemeinde, aber das Leben in der rum\u00e4nischen Hauptstadt \u2013 fern von den Wirkungsorten der Teilnehmenden \u2013 \u00f6ffnete f\u00fcr einen ehrlichen Dialog miteinander. Was die G\u00e4ste von au\u00dferhalb erst einmal begreifen mussten, war die Tatsache, dass es in diesem Teil der Welt keine s\u00e4kularisierte Gesellschaft gibt. Deutlich \u00fcber 90% bekennen sich zu ihrer Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Religionsgemeinschaft, in der Hauptsache zur Orthodoxen Kirche. Das bringt aber f\u00fcr jeden Missionsansatz unweigerlich die Fragen mich sich: Mu\u00df ich \u00fcberhaupt in einer religi\u00f6s gestalteten Gesellschaft missionieren? Ist das denn nicht sofort Proselytismus? Und wie k\u00f6nnen winzig kleine protestantische Diasporakirchen \u00fcberhaupt in so einem Milieu arbeiten?<\/p>\n<p><strong>Best Praxis in Osteuropa<\/strong><\/p>\n<p>Der Runde Tisch war auf die Praxis ausgerichtet. Deswegen sollte am Ende, als konkretes Ergebnis auch ein eigener \u201eMissionskodex\u201c schrieben werden, war doch allen jener des \u00f6kumenischen Rates der Kirchen (Busan 2013) bekannt. Zum Ziel f\u00fchrten allerdings weniger Vortr\u00e4ge, sondern Vorstellung von Praxisbeispielen und Reflexion dazu. F\u00fcr diese Beispiele hatte ZETO drei missionarisch Aktive aus drei unterschiedlichen Minderheitensituationen eingeladen.\u00a0 Zuerst sprach Pfarrer Linards Rozentals aus Riga, als Beispiel von Mission im s\u00e4kularisierten Umfeld. Tornakalna, die von ihm betreute Kirchengemeinde hat sich von einer knapp \u00fcberlebenden Gemeinde der Sowjetzeit zu der gr\u00f6\u00dften evangelischen Gemeinde des Baltikums gewandelt. Ein Weihnachtsgarten mit \u00fcber zehntausend Besuchern, oder aber die Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr sogenannten Engelskinder sind nur einige der Beispiele aus dem Gemeindealltag. Pfarrerin Elina Braz de Almeida, eine finnische Missionarin, die in der evangelischen Gemeinde Kutina (Kroatien) arbeitet, stellte dar, wie man junge Menschen in R\u00f6misch-Katholischem Umfeld f\u00fcr den Glauben motiviert. Sie machte deutlich, wie wichtig die eigene Person bei missionarischer Arbeit eine Rolle spielte. Menschen m\u00fcssen zu dem, der sie ruft, Vertrauen haben. Schlie\u00dflich kam der baptistische Metropolitanbischof von Tbilissi, Malkhaz Shongulashvili zu Wort, der \u00fcber den Einsatz f\u00fcr Frieden zwischen den Religionen berichtete. Sein Wirken geschieht im orthodoxen Umfeld.\u00a0 Seine weltweit bekannte Kirche, die Friedenskathedrale, bringt regelm\u00e4\u00dfig Menschen miteinander ins Gespr\u00e4ch. Christen, Juden, Schiiten, Sunniten, Sufi sowie Jesiden schaffen es, respektvoll Grenzen zu \u00fcberschreiten. Diese Praxisbeispiele wurden anschlie\u00dfend reflektiert. Diesen Dienst leisteten an den Anwesenden Christoph Lehmann (W\u00fcrttemberg), Vlado Kmec (Berlin) sowie Tilman Popp (Sachsen). Dass es nach diesen Beispielen viel zu fragen und zu besprechen gab, muss gar nicht mehr dargestellt werden.<\/p>\n<p><strong>Mission soll nicht aus Angst heraus geschehen<\/strong><\/p>\n<p>Dieser einpr\u00e4gsame Satz von Bischof Malkhaz in dessen \u201eTheologie der Sch\u00f6nheit\u201c, hat alle \u00fcberzeugt. Schon im Ansatz sich als missionarische Kirche zu verstehen, liegt die Unterscheidung. Nicht die Angst vor sinkenden Zahlen, fehlendem Nachwuchs, knappen Finanzen oder Verlust von gesellschaftlicher Relevanz darf die Antriebskraft zur Mission sein. Es ist hingegen die \u00dcberzeugung, dass wir als christliche Kirchen der Gesellschaft etwas Wichtiges weitergeben k\u00f6nnen, was sie sonst nicht h\u00e4tten. Das Licht darf auf den Leuchter gestellt werden. \u00dcberraschend war zudem, dass sich alle darin einig waren, dass auch f\u00fcr eine Diasporakirche der Dienst am Evangelium nicht nur nach innen, in die eigenen Kirchengemeinden, gehen soll, sondern auch nach au\u00dfen, in die offene Gesellschaft. Das w\u00e4re vor zehn Jahren noch ein hei\u00df debattiertes Gespr\u00e4chsthema gewesen. Heute nicht mehr. Aufgrund dieser Beispiele und all seinen Reflexionen und Gespr\u00e4chen konnten die Teilnehmenden sich schlie\u00dflich auf einen \u201eBukarester Missionskodex\u201c einigen, der nun als Arbeitsdokument unterschiedliche Kreise zieht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/jimdo-storage.global.ssl.fastly.net\/file\/6eba2afe-8f3b-4f57-93ee-ad17a92de649\/Missionskodex_Bukarest.pdf\"><u>Link zu Missionskodex\u00a0<\/u><\/a><\/p>\n<p>__________________________________________________________________________________<\/p>\n<p><em>In its final report, the CPCE General Assembly, held in Sibiu in August 2024, identified the most important work topics for the next six years. One of these is &#8222;Passing on the faith&#8220;. It is currently a pan-European challenge that the natural transmission of faith is crumbling. The traditional models of passing on the faith within the family, in church or at school no longer seem to be working. Bonding and knowledge have been lost for years. Generations are growing up far away from the church. One of the approaches to changing this lies in the word &#8222;mission&#8220;.<\/em><\/p>\n<p><strong>Bucharest, 14-16 November 2024<\/strong><\/p>\n<p>In this register, a round table met in Bucharest (Romania) &#8211; under the leadership of the Centre for Protestant Theology in Eastern Europe (ZETO).\u00a0 It had set itself the task of filling the word &#8222;mission&#8220; with tangible content. The church reform and structural processes (in this case of the Evangelical Church A.C. in Romania) often use this word, but it is usually merely a projection surface for very different content. Everyone fills it according to their personal attitude to life and faith. <em>\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n<p>The 25 participants met in a place that was removed from everyday life. Although Bucharest has a Protestant church community, life in the Romanian capital &#8211; far away from the participants&#8216; places of work &#8211; opened the door to an honest dialogue with one another. What the guests from abroad first had to understand was the fact that there is no secularised society in this part of the world. Well over 90 percent profess to belong to a religious community, mainly the Orthodox Church. However, this inevitably raises the following questions for any missionary approach: Do I even have to engage in mission in a religiously structured society? Is that not immediately proselytism? And how can tiny Protestant diaspora churches even work in such a milieu?<\/p>\n<p><strong>Best practice in Eastern Europe<\/strong><\/p>\n<p>The round table was focused on practice. That is why, as a concrete result at the end of the meeting, a common &#8222;Mission Code&#8220; was written, akin to that of the Ecumenical Council of Churches (Busan 2013) with which all are familiar. However, the aim was not so much to give lectures, but to present practical examples and reflect on them. For these examples, ZETO had invited three missionary pastors from three different diaspora situations.\u00a0 Firstly, Pastor Linards Rozentals from Riga spoke as an example of mission in a secularised environment. Tornakalna, the parish he looks after, has transformed itself from a barely surviving congregation of the Soviet era into the largest Protestant parish in the Baltic region. A Christmas garden with over ten thousand visitors and the memorial for so-called Angel Children are just a few examples of the everyday life of the congregation. Pastor Elina Braz de Almeida, a Finnish missionary who works in the Protestant parish of Kutina (Croatia), explained how to motivate young people in a Roman Catholic environment for the faith. She emphasised the importance that one&#8217;s own person plays in missionary work. People must have faith in the one who calls them. Finally, the Baptist Metropolitan Bishop of Tbilisi, Malkhaz Shongulashvili, spoke about his commitment to peace between religions. His work takes place in an Orthodox environment.\u00a0 His world-famous church, the Peace Cathedral, regularly brings people together in dialogue. Christians, Jews, Shiites, Sunnis, Sufis and Yazidis manage to respectfully cross borders. These practical examples were then reflected upon. Christoph Lehmann (W\u00fcrttemberg), Vlado Kmec (Berlin) and Tilman Popp (Saxony) performed this service for those present. It goes without saying that there was a lot to ask and discuss after these examples.<\/p>\n<p><strong>Mission should not be done out of fear<\/strong><\/p>\n<p>This memorable sentence by Bishop Malkhaz in his &#8222;Theology of Beauty&#8220; has convinced everyone. The distinction lies in the very starting point of seeing ourselves as a missionary church. It is not the fear of declining numbers, a lack of young people, tight finances or a loss of social relevance that should be the driving force behind mission. Instead, it is the conviction that we as Christian churches can pass on something important to society that it would otherwise not have. The lamp can be placed on the stand. It was also surprising that everyone agreed that even for a diaspora church, the service of the Gospel should not only go inwards, into their own parishes, but also outwards, into open society. Ten years ago, this would have been a hotly debated topic of discussion. Not so today. Based on these examples and all their reflections and discussions, the participants were finally able to agree on a &#8222;Bucharest Mission Code&#8220;, which is now circulating in various circles as a working document.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/jimdo-storage.global.ssl.fastly.net\/file\/209432b0-c9ae-477a-b324-36db21942bf3\/Mission%20Code%20Bucharest.pdf\"><u>Link to Mission Code\u00a0<\/u><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die GEKE-Vollversammlung, August 2024 in Hermannstadt, hat in ihrem Abschlussbericht die wichtigsten Arbeitsthemen der kommenden sechs Jahre benannt. Eines davon ist \u201eDen Glauben weitergeben\u201c. Es ist gegenw\u00e4rtig eine gesamteurop\u00e4ische Herausforderung, dass die selbstverst\u00e4ndliche Weitergabe des Glaubens br\u00f6ckelt. 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