Wer wir sind

Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) -Leuenberger Kirchengemeinschaft-

"Einheit in versöhnter Verschiedenheit"

Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa ist die Organisation fast aller evangelischen Kirchen in Europa. Ihr Gründungsdokument ist die Leuenberger Konkordie von 1973, mit der die mehr als 450-jährige Epoche der Kirchenspaltung zwischen lutherischen und reformierten Kirchen beendet wurde. Auf der Grundlage des darin dargelegten gemeinsamen Verständnisses des Evangeliums gewähren die Unterzeichnerkirchen einander Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft. Sie verpflichten sich ferner zu gemeinsamem Zeugnis und Dienst auf lokaler, regionaler und europäischer Ebene sowie zur theologischen Weiterarbeit.

Bis jetzt haben 105 Kirchen die Leuenberger Konkordie unterzeichnet. Es sind neben den klassischen Reformationskirchen auch die vorreformatorischen Kirchen der Waldenser und der Böhmischen Brüder, dazu fünf protestantische Kirchen in Südamerika, die sich aus früheren Einwanderkirchen entwickelt haben. Die sieben methodistischen Kirchen haben durch eine zusätzliche "Gemeinsame Erklärung zur Kirchengemeinschaft" ihren Beitritt erklärt.

Ursprung
Im März 1973 wurde im Tagungshaus auf dem Leuenberg bei Basel der endgültige Text der "Konkordie reformatorischer Kirchen in Europa" (Leuenberger Konkordie) erarbeitet.  Damit war ein langer Weg von Lehrgesprächen, insbesondere zwischen lutherischen und reformierten Kirchen, zum Abschluss gebracht worden, der schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen hatte. Der auf europäischer Ebene erarbeitete Text fand bei den angesprochenen Kirchen eine erstaunlich rasche und nachhaltige Zustimmung. Die Leuenberger Konkordie, das Gründungsdokument, wurde in der Zwischenzeit in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Theologie
Die Überwindung der Kirchenspaltung gelang durch eine Verständigung in der Lehre. In der Präambel der Konkordie wird die Kernaussage der Confessio Augustana (CA VII) aufnehmend festgestellt: "Nach reformatorischer Einsicht ist darum zur wahren Einheit der Kirche die Übereinstimmung in der rechten Lehre des Evangeliums und in der rechten Verwaltung der Sakramente notwendig und ausreichend" (LK 2). Das "gemeinsame Verständnis des Evangeliums" wird im zweiten Hauptteil der Konkordie in der Rechtfertigungsbotschaft als die "Botschaft von der freien Gnade Gottes" begründet (LK 7-12) und im Blick auf Verkündigung, Taufe und Abendmahl ausgelegt (LK 13-16). Der 3. Hauptteil erklärt die bisherigen Verwerfungen in den Lehren vom Abendmahl, von der Christologie und von der Gnadenwahl für überwunden, weil sie den gegenwärtigen Stand der Lehre der zustimmenden Kirchen nicht mehr treffen (LK 17-28). Der 4. Hauptteil enthält das Herzstück der Leuenberger Konkordie: die Erklärung und Verwirklichung von Kirchengemeinschaft. Hier wird festgestellt: "Kirchengemeinschaft im Sinne dieser Konkordie bedeutet, dass Kirchen verschiedenen Bekenntnisstandes aufgrund der gewonnenen Übereinstimmung im Verständnis des Evangeliums einander Gemeinschaft an Wort und Sakrament gewähren und eine möglichst große Gemeinsamkeit in Zeugnis und Dienst an der Welt erstreben" (LK 29). Diese Kirchengemeinschaft gewinnt Gestalt als Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft, dabei ist die gegenseitige Anerkennung der Ordination und die Ermöglichung der Interzelebration (wechselseitig möglicher Vorsitz bei der Leitung der Abendmahlsfeier) eingeschlossen.

Arbeitsweise
Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa dient der Einheit und Gemeinschaft der evangelischen Kirchen durch gemeinsame theologische Lehrgespräche. Dabei werden nicht nur Glaubensfragen behandelt, sondern auch reformatorische Positionen zu wichtigen geistlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen formuliert, z.B. die Frage nach dem gerechten Krieg, das christliche Verständnis von der Freiheit und das Verhältnis von Kirche-Staat-Volk-Nation. Unter den Ergebnissen der Lehrgespräche ragen die Studien "Die Kirche Jesu Christi" und "Kirche und Israel" heraus, die sich die Vollversammlungen 1994 und 2001 einmütig zu eigen gemacht haben. Die erstmals ausformulierte gesamtevangelische Lehre von der Kirche, die sich als Beitrag zum ökumenischen Dialog versteht, wurde so für das Verhältnis von Christen und Juden fruchtbar gemacht.

Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa hat ihre eigene Organisation bewusst wenig ausgeprägt, um flexibel zu sein. Etwa alle sechs Jahre findet eine Vollversammlung statt, die die Grundlinien der Weiterarbeit bestimmt, die neuen Lehrgesprächsthemen festsetzt und den Rat wählt. Dieser ist für die Arbeit zwischen den Vollversammlungen verantwortlich und wird durch ein Präsidium geleitet. Die Geschäftsstelle hat seit 2007 seinen Sitz in Wien im Kirchenamt der Ev. Kirche A.B. in Österreich.

Evangelische Stimme in Europa
Die größere Zahl der Mitgliedskirchen der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa sind Minderheitskirchen, die oft unter schwierigen Bedingungen ihren Auftrag wahrnehmen. In einem Europa, das sich politisch neu gestaltet, will die GEKE zur aktiven Solidarität aufrufen und den Stimmen der Minderheiten Gehör verschaffen. Sie äußert sich deshalb zu aktuellen Fragen der Gestaltung des zusammenwachsenden Europas und bemüht sich um einen selbstkritischen Umgang mit der Vergangenheit. Sie fördert im missionarischen, diakonischen und sozialen Bereich Initiativen und Verbindungen auf lokaler, regionaler und gesamteuropäischer Ebene. Sie ist durch eine eigene Website im Internet präsent und baut ein Kommunikationsnetzwerk zwischen den Kirchen auf.

Im Bewusstsein ihrer Grenzen hat die GEKE bei ihrer Arbeit die ganze Ökumene im Blick und versteht sich selber als Schritt auf dem Weg zur Einheit der universalen Kirche Jesu Christi in versöhnter Verschiedenheit. Deshalb unterhält sie Arbeitsverbindungen zum Ökumenischen Rat der Kirchen, zur Konferenz Europäischer Kirchen, zum Lutherischen und Reformierten Weltbund sowie zu den anglikanischen Kirchen und zur Europäischen Baptistischen Föderation.

Das gewachsene Zusammengehörigkeitsgefühl unter unseren Kirchen und der von der letzten Vollversammlung in Belfast 2001 formulierte Anspruch, die evangelische Stimme in Europa zum Ausdruck zu bringen, soll unter anderem auch durch den seit dem 1.11.2003 gültigen neuen Namen Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) deutlich werden.
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Die GEKE: Entstehung – Heutige Situation – Zukunftsperspektiven
Beitrag zum Forum I „Einheit“ der EÖV3 in Hermannstadt/Sibiu
Michael Bünker (06.09.2007)
Vortrag downloaden

 

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