Theologischer Hauptvortrag 6. Vollversammlung, Budapest, 2006

Prof. Dr. Wolfgang Huber

Europa befindet sich in einer Phase des Übergangs. Der Erweiterung der Europäischen Union muss eine Vertiefung entsprechen. So wie ein Baum, dessen Geäst sich ausladend verzweigt, auf feste und tiefe Wurzeln angewiesen ist, so ist es auch mit der gewachsenen Gemeinschaft in Europa. Die Grenze zwischen Ost und West, die Europa noch vor siebzehn Jahren durchschnitt, ist überwunden; jetzt kommt es darauf an, den Geist zu erneuern, der Europa zu einer Gemeinschaft macht.

Dieser Geist verdankt sich unterschiedlichen Quellen. Athen, Rom und Jerusalem stehen für diese Quellen: Wissenschaft und Kunst, Staat und Recht, Gottvertrauen und Weltverantwortung bestimmen zusammen das Gesicht Europas. Von einem christlichen Europa konnte nie in dem Sinn die Rede sein, als bestimme der christliche Glaube allein die kulturelle Gestalt unseres Kontinents. Von einem christlichen Europa muss aber immer in dem Sinn die Rede sein, dass die christlichen Prägekräfte unverkennbar und bleibend in die Fundamente unseres gemeinsamen Lebens eingelassen sind; sie beruhen ihrerseits auf der Glaubensgeschichte des jüdischen Volkes, dem Jesus von Nazareth angehörte.

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