Liturgie der Protestantisch-Reformierten Kirche von Luxemburg H.B

Die Protestantisch-Reformierte Kirche von Luxemburg H.B., deren Anfänge im frühen 19. Jahrhundert liegen, erlangte ihre Selbständigkeit uns staatliche Anerkennung im Jahre 1982 durch eine Konvention mit dem Staat Luxemburg, der durch den Wiener Kongress 1815 souverän geworden war.

Die extreme Diasporasituation der Protestanten im Großherzogtum prägte die Existenz der protestantischen Gemeinden von Beginn an. Im Jahre 1894 erst wurde  die protestantische Gemeinde durch den Erlass des Großherzogs Adolph, der selbst Protestant war, staatlicherseits als "Protestantische Kirche Augsburgischer und Helvetischer Konfession im Großherzogtum Luxemburg" anerkannt.

Die rasche Industrialisierung im Süden des Landes, vor allem Esch/Alzette und Umgebung, zog seinerzeit im 19. Jahrhundert viele protestantische Lohnarbeiter und Ingenieure mit ihren Familien an, so dass schon bald  der Ruf nach seelsorgerische Betreuung, evangelische Wortverkündigung und Spendung der Sakramente laut wurde. Das auf Napoleon basierende Gesetz über die Gründung von Kirchengemeinden (nach dem Code civil von Napoleon bis zum heutigen Tag "Kirchenfabriken" genannt) verzögerte lange Zeit die staatliche Anerkennung der verschiedenen protestantischen Konfessionen in Luxemburg. Am Ende des 19. Jahrhunderts kam es dann zu einer vorläufigen, und 1982 zur einvernehmlichen Lösung für unsere Kirche.

 

Liturgie

Die Diasporasituation bedingte, dass auch bei und für die Gottesdienstgestaltung die Hilfe benachbarter Schwest-erkirchen in Deutschland, Belgien, Frankreich und der Schweiz in Anspruch genommen wurde. Von 1914 bis 1999 war in den Gemeinden im Lande die liturgische Ordnung des elsässischen Oberkonsistoriums aus dem Jahre 1858 in Gebrauch, die von der örtlichen Pastoralkonferenz 1899 überarbeitet worden war mit dem Ziel, die versammelte Gemeinde am gottesdienstlichen Geschehen aktiver mitwirken zu lassen, nicht nur durch das gemeinsame Singen von Chorälen, sondern auch durch gelungenes Mitbeten im Wechsel mit den gesprochenen Worten des Predigers. Durch Beschluss der elsässischen Pastoralkonferenz vom 9. Juli 1936 wurde eine verbindliche liturgische Ordnung ins Gesangbuch aufgenommen. Diese Ordnung blieb ungeachtet der politischen Ereignisse auch in Luxemburg in Kraft und prägte unsere Gottesdienste bis zum Ende der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts.

Das Konsistorium der Protestantisch-Reformierten Kirche von Luxemburg H.B. beschäftigte sich zusammen mit den Gemeindegliedern seit 1997 mit der Reform der Liturgie. Nach Konsultation durch den Moderator des Reformierten Bundes in Deutschland und zahlreiche Beratungen durch theologische Freunde reformierter Kirchen kam das Konsistorium zu folgenden Entscheidungen:

  1. Erarbeitung einer Gottesdienstordnung auf den Grundlagen des Book of Common Order of the Church of Scotland (1996), Liturgie de l’Eglise Réformée de France (1996), der Reformierten Liturgie des Reformierten Bundes (1999) und der Liturgie der evangelisch-reformierten Kirchen in der deutschsprachigen Schweiz (Sonntagsgottesdienst, 1972 ; Festtagsgottesdienst, 1974 ; Abendmahl, 1983 ; Taufe, 1992).
  2. Einführung des Evangelischen Gesangbuchs der Evangelischen Kirche im Rheinland, der Evangelischen Kirche von Westfalen, der Lippischen Landeskirche und in Gemeinschaft mit der Evangelisch-reformierten Kirche zum 1. Advent des Jahres 1998.

Derzeit sind die « Liturgie de l’Eglise Réformée de France » und die « Reformierte Liturgie » des Reformierten Bundes in Gebrauch. Die drei offiziellen Amtssprachen (Luxemburgisch, Deutsch und Französisch) machen es unerlässlich, beide Liturgien zu Rate zu ziehen. Eine Liturgie in der luxemburgischen Sprache ist erst im Aufbau.

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