Liturgie der Evangelischen Kirche in Deutschland

Liturgisches Leben in den Kirchen der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland)

 

Das gottesdienstliche Leben im Bereich der Evangelischen Kirche in Deutschland ist vielfältig, da Gottesdienste am Sonntagmorgen, an den Festen im Kirchenjahr, aus biographischen Anlässen ("Kasualien" oder "Amtshandlungen"), sowie bei lokalen, kulturellen oder gesellschaftlichen Gelegenheiten gefeiert werden.

Dabei werden die Gottesdienste entsprechend ihrer konfessionellen Prägung und ihrem agendarischen Recht von den Landeskirchen geregelt, wobei ein seit längerer Zeit anhaltender Reformprozess die Suche nach mehr gottesdienstlicher Gemeinsamkeit fördert. So hat sich die Mehrheit der 23 Landeskirchen, nämlich die Kirchen und Gemeinden der VELKD ("Lutheraner") und der EKU bzw. UEK ("Unierte"), für ein gemeinsames "Evangelisches Gottesdienstbuch" entschieden, das den Sonntagsgottesdienst ordnet.

Das Evangelische Gottesdienstbuch versucht, neue Gottesdienstformen zu integrieren und ist nicht mehr eine Agende im klassischen Sinn, sondern vielmehr ein "Werkbuch", das auf der Basis einer wiedererkennbaren Grundstruktur zu kreativen Ausformungen anregen will.

Erst 1999 ist das gottesdienstliche Leben umfassend neu geregelt worden und im Auftrag des Moderamens des Reformierten Bundes erschien neben dem Evangelischen Gottesdienstbuch auch die "Reformierte Liturgie. Gebete und Ordnungen für die unter dem Wort versammelte Gemeinde". Sie tritt an die Stelle des bis dahin gültigen "Kirchenbuches" und bietet Orientierung und Hilfe für die Gestaltung und Feier des Gottesdienstes, für die stimmige Komposition des Ganzen, sowie für die überlegte Abfolge der einzelnen Schritte. Auch Ordnungen und Angebote für die Kasualien und für Gottesdienste aus besonderem Anlass gehören dazu.

Der Anspruch, "nicht als Verordnung" daher zu kommen, ist Ausdruck eines neuen Selbstverständnisses, das auch auf das 1999 erschienene "Evangelische Gottesdienstbuch" zutrifft. Dieses Buch ist der Versuch, gottesdienstliche Vielfalt in der Verbindung einer stabilen Grundstruktur und zahlreicher möglicher Ausformungsvarianten zu fördern.

Sowohl das Evangelische Gottesdienstbuch als auch die Reformierte Liturgie sehen für den evangelischen Gottesdienst folgende Grundstruktur vor:

  1. Eröffnung und Anrufung
  2. Verkündigung und Bekenntnis
  3. Abendmahl
  4. Sendung und Segen

Dabei wurde der "Einheitsgottesdienst", das Leitbild der 50er Jahre, mit dem Evangelischen Gottesdienstbuch bewusst aufgegeben. Theologisch und kirchenpolitisch hoch bedeutsam tritt neben den klassischen Messtypus evangelischen Gottesdienstes (Grundform I) gleichberechtigt eine Elementarform (Grundform II), die auch liturgisch Ungeübte leicht mitfeiern können. Dabei wird – dem historischen Herkommen entsprechend – der Gottesdienst in den lutherischen Kirchen primär nach Grundform I, in den Kirchen mit unierter und reformierter Prägung eher nach Grundform II gefeiert.

Wie angedeutet, hat sich zwar eine Mehrheit, nicht aber jede Landeskirche im Bereich der EKD für das Evangelische Gottesdienstbuch entschieden. Insofern gibt es weitere Agenden für den evangelischen Gottesdienst, so etwa für die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck, die Evangelische Kirche der Pfalz oder die Evangelische Landeskirche in Baden.

Im Bereich der Evangelischen Kirchen in Deutschland gibt es zur Förderung des gottesdienstlichen Lebens Institutionen auf verschiedenen Ebenen:

  • Auf landeskirchlicher Ebene gibt es Arbeitsstellen für Gottesdienst und Kirchenmusik. Sie sind in der gottesdienstlichen Aus- und Fortbildung tätig und stellen verschiedene Materialien zur Verfügung. Kleinere Landeskirchen unterhalten Liturgische Arbeitskreise oder Liturgische Kammern.
  • Auf der Ebene der Kirchenbünde erarbeiten die Liturgischen Ausschüsse der UEK und VELKD im Auftrag ihrer Kirchenleitungen das Agendenwerk.
  • Auf Ebene der EKD arbeiten drei Institutionen: Das Kirchenamt der EKD ist zuständig für Bibelübersetzungen und Evangelisches Gesangbuch. Die Liturgische Konferenz erarbeitet grundlegende Fragen des evangelischen Gottesdienstes in Arbeitssausschüssen und liturgischen Fachtagungen. Die Gemeinsame Arbeitsstelle für gottesdienstliche Fragen der EKD, die zugleich Geschäftsstelle der Konferenz ist, arbeitet an Fragen gegenwärtigen Gottesdienstes wissenschaftlich und koordiniert die liturgische Arbeit im Bereich der EKD.

 

Liturgische Materialien der UEK und VELKD:

Gottesdienst mit Predigt und Abendmahl

Predigtgottesdienst (mit Abendmahl)

 

Weitere Materialien zum Herunterladen:

Agende für die ev. Landeskirche in Baden

Bestattungsagende der ev. Landeskirche in Württemberg

Liturgische Handreichung zur Verabschiedung aus einem kirchlichen Dienst (UEK)

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