Liturgie der Evangelisch-lutherischen Kirche in Ungarn

Geschichte

In den ersten Jahren der Reformation haben die lutherischen Gemeinden die alte, katholische lateinische Gottesdienstordnung benutzt, nur die Predigt wurde in der Landessprache und im lutherischen Geist gehalten. Die ersten Agenden aus dem 16. Jahrhundert haben die Bereiche geregelt, in denen es Veränderungen gab: Abendmahl, Feste, Kasualien. Anfang des 17. Jahrhunderts haben sich die beiden Richtungen lutherisch und reformiert in liturgischer Hinsicht voneinander getrennt, die Gottesdienstordnung war aber immer noch sehr reich an responsorischen Elementen. Ab dem Ende des 17. Jahrhunderts wurde der Gottesdienst schlichter, so dass es am Ende des 19. Jahrhunderts üblich war, dass der Gottesdienst nur aus Gebet, Lied und Predigt bestand. Das Abendmahl wurde sehr selten und als Anhang am Ende des Gottesdienstes, meistens nur an den großen Festtagen gefeiert. Nur in einigen Gemeinden lebte die reiche liturgische Tradition weiter. Im 20 Jahrhundert kam der Wunsch auf, zur ursprünglichen lutherischen Gottesdienstordnung zurückzukehren. In diesem Geiste wurden die Raffay-Agende (1936) und die Pröhle-Agende (1963 und 1986) zusammengestellt. Letztere wird alternativ auch noch heute benutzt. Seit 2007 gibt es eine neue Agende, zusammengestellt von dem Agende- und Liturgieausschuss der Kirche, die mehr als ihre Vorgänger auf die liturgische Tradition der Reformationszeit zurückgreift. Abendmahl ist wieder in den Gottesdient integriert worden und es besteht die Möglichkeit, die Gemeinde durch responsorische Gebete in die Liturgie intensiver als vorher einzubeziehen.

Die Agende von 2007 beinhaltet auch die Gottesdienstordnung der Pröhle-Agende, die die Gemeinden weiterhin benutzen können. Die Ordinariumtexte der neuen Agende sind auch in die alte Ordnung einzufügen. Nach der politischen Wende 1989 hat die Kirche neue Arbeitsgebiete, wie z.B. Katastrophenelsorge und kirchliche Schulen. Die neue Agende bietet auch zu diesen besonderen Anlässen bzw. Spezialgebieten eine liturgische Hilfe und passende Gottesdienstordnungen. Auch die empfohlene Ordnung der Thomas-Messe wurde aufgenommen.

 

Struktur nach der neuen Agende

I. VORBEREITUNG

  1. Glocken, Einzug
  2. Begrüßung
  3. Orgelvorspiel und Lied der Gemeinde
  4. Invocatio
  5. Sündenbekenntnis, Verkündigung der Vergebung

 

II. EINFÜHRUNG

  1. Psalm (Introitus)
  2. Kyrie
  3. Gloria
  4. Kollektengebet

 

III. WORTTEIL

  1. Lektion 1 und 2 (AT und NT – so ausgesucht, dass im Gottesdienst je ein Text aus dem AT, aus den Evangelien und aus den Epistolen vorgelesen wird. Wenn der Predigttext aus dem Evangelium ist, dann sind z.B. die Lektionen AT und Episteltexte.)
  2. Orgelvorspiel und Hauptlied (Gradual)
  3. Predigttext und Predigt
  4. Credo
  5. (Taufe)
  6. Abkündigungen
  7. Lied
  8. Oratio Oecumenica

 

IV. ABENDMAHL

  1. Lied
  2. Sursum Corda
  3. Praefatio
  4. Sanctus
  5. Epiklese
  6. Einsetzungsworte
  7. Anamnese
  8. Vaterunser
  9. Pax
  10. Agnus Dei
  11. Communio
  12. Gebet – Postcommunio

 

V. SENDUNG UND SEGEN

  1. Sendung
  2. Segen
  3. Lied und Orgelnachspiel

 

Literaturhinweis: Evangélikus istentisztelet. Liturgikus könyv, Luther Kiadó Budapest, 2007.

 

12.11.2010 Adel David

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